Nach dem Riesenwälzer von Irvings A Son of the Circus musste erst einige Zeit vergehen, bevor ich mich an die nächste Familiengeschichte des Autors wagte, denn obwohl die Personen dort einem, in eine Kriminalgroteske im fremden Indien eingebetteten, aberwitzigem Kuriositätenkabinett glichen, litt die Spannung unter den Konstruktionslängen einzelner Handlungsstränge.
Wie der Titel Das Hotel New Hampshire bei diesem Buch andeutet, wird die Geschichte der Familie Berry anhand ihres Hotellebens aus Sicht des Sohnes John erzählt. Es beginnt mit dem Kennenlernen der Eltern während eines Sommerjobs im Hotel Arbuthnot, deren faszinierendes Leben mit einem motorradfahrenden Bären und dem Juden Freud, das die Kinder nur aus immer neuen Erzählungen von Mutter und Vater kennen, bis sich der Vater nach Studienende selbst entschließt, das baufällige Gelände der alten Mädchenschule in Dairy zu kaufen und als Hotel New Hampshire zu eröffnen.
John und seine Geschwister Frank, Franny, Lilly und der Jüngste, der von allen nur Egg genannt wird, wachsen hier in einem turbulenten Alltag zwischen Schule und Hotel auf und kämpfen sich durch frühe Lebensproben. Der älteste Bruder Frank wird aufgrund seiner Homosexualität gemobbt, entsagt den anderen gegenüber jeder Körperlichkeit und zieht sich in uniformierte Rollen zurück. Franny wird an Halloween von ihrem Schwarm der Footballmannschaft Chipper Dove und mehreren Mannschaftsmitgliedern vergewaltigt, währenddessen ihr Hund Kummer wegen ständiger Blähungen eingeschläfert wird. In der Folgezeit steht sie unter dem besonderen Schutz von Junior Jones, dem Schwarzen Arm des Gesetzes. Ihr Großvater Bob, Trainer der Footballmannschaft, stirbt während eines Hanteltrainings mit John an einem Herzschlag in dessen Armen, als der inzwischen durch Franks Präparationskünste wiederauferstandene Kummer ihm aus einem Schrank entgegenfällt.
Nach einem Brief von Freud und der Ausssicht auf ein neues Hotel mit einen neuen „schlauen“ Bären, gibt die Familie das Hotel in Dairy auf und fliegt in getrennten Flugzeugen nach Europa. Die Mutter und Egg verunglücken tödlich und ausgerechnet der ausgestopft oben schwimmende Kummer markiert die Absturzstelle im Meer. Der Rest der Geschwister findet mit dem in Trauer versunkenen Vater in Wien das Gasthaus Freud vor, welches außer einigen dubiosen Radikalen in obersten Stock tagsüber, nur fünf Prostituierte des Nachts unterhält. Freud ist inzwischen erblindet und der angekündigte Bär entpuppt sich als die ebenfalls vergewaltigte und im Fellkostüm lebende Susie, die sich mit den Kindern anfreundet und schließlich mit Franny ein Paar wird. Die Aussichten auf eine Neueröffnung eines strahlenden Hotel New Hampshires scheinen denkbar schlecht, nur Frank begeistert sich für das Fin de Siecle der Stadt. Die Geschwister werden hier erwachsen, aber die angehende Schriftstellerin Lilly bleibt ein Zwerg. Ihre „Wachstumsversuche“ beschränken sich auf einen autobiographischen Roman , der von Frank auch rechtzeitg an einen Verlag vermittelt werden kann, bevor nach sieben Jahren ein blutiges Attentat der Radikalen der Episode in Wien ein plötzliches Ende setzt.
Freud ist tot, der Vater erblindet und die Familie zieht es zusammen mit Susie nach New York. In der Hoffnung auf ein normales Leben versucht sich Lilly im Stanhope Hotel erfolglos an einem neuen Roman, während John und Franny in einer ausschweifenden Nacht ihre Leidenschaft füreinander durch sexuellen Exzess abhaken. Ein Wiedersehen mit Chipper Dove endet schließlich in einem surrealen Finale der Rache, indem Susie der Bär eine besondere Rolle einnimmt.
Der Epilog ergänzt die Geschichte mit dem wiedererrichteten Hotel Arbuthnot-by-the-sea, dem letzten Hotel New Hampshire in Maine, worin John seinem blinden Vater einen regen Betrieb vorgaukelt, der es sich leisten kann, kaum Gäste zu haben. Lilly springt, an eigenen Erwartungen verzweifelt, durch ein Fenster des Stanhope Hotels in den Tod. Das wiedervereinigte Paar Franny und Junior Jones erwartet ein Baby. Susie legt ihr Bärenkostüm ab, als sie schließlich mit John zusammenkommt. Gemeinsam sollen sie Frannys Kind großziehen.
Rasant, Flüssig und Fabulös, in der Tat!








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