Archiv für Juni 2009

Französischer Abschied

Meine Tage in Toulouse und Umgebung sind vorerst gezählt und wie das immer so ist, endet diese tolle Zeit mit einem ausgiebigen Resteessen. Beginnend mit dem morgendlichen Buttercroissant mit fromage frais und Blaubeermarmelade, gefolgt von nachmittäglichem Grünspargel-Erdbeersalat. Der Weiße wird hier wohl nicht vor Ort angebaut und ist daher wenig zu empfehlen, der Grüne braucht dafür nur kurz bratend in der Pfanne schwenkend geröstet und mit Zitronensaft abgelöscht werden. Dabei dürfen natürlich die obligatorischen Käse, Oliven etc. nicht fehlen und ein Gläschen Rosé schmeckt auch wieder dazu.

Abschiedsfrühstück Abschiedssnack

Am Abend wird dann nochmal groß aufgetisch. Knoblauchgespicktes Aligot von gestampften Kartoffeln mit dem endlich hier ergatterten Tomme Fraiche de l`Aubrac. Dazu angebratene Foie Gras mit Rosé-Jus. Capaccio de Magret de Canard sowie ein kleiner Schnuffelteller mit allerlei Eingelegtem und Fromage, bien sur!

Französisches Abschiedsessen

Sieh an!

Foodbloggertreffen im hohen NordenDer Kuriositätenladen kümmert sich um ein Foodbloggertreffen in Norddeutschland, sogar in Hamburg, und da würde ich ja eigentlich gern mal reinschnuppern. Aufziehende, aber noch zu bestätigende Pläne lassen mich allerdings wohl den September komplett und noch einmal in Toulouse verbingen. Zur allgemeinen Informationsweitergabe lasse ich mich hier natürlich trotzdem hinreißen.

Außerdem ein Linkhinweis zum ganz großen Kochkino bei den Anonymen Köchen – Aale, Aale, Aale – etwas für robustere Gemüter!

Wandernd durch die Cevennen

Zwischen den Schluchten des Tarn schlugen wir unser vorerst letztes Lager in Pont-de-Montvert am Oberlauf des Flusses nahe des Mont Lozère auf. Auf dieses Dorf machte bereits Robert L. Stevenson aufmerksam, als er hier 1878 auf seiner literarisch dokumentierten Wanderung mit dem Esel Modestine Station machte und auch heute ist es Ausgangspunkt vieler Wandertouren.

LPDM 1 LPDM 2
Türschmuck LPDM 3

Trotz verregnetem Ankunftstag, ließen wir uns einen ersten Erkundungslauf und ein Fußbad in den natürlichen Pools des Tarn nicht entgehen.

Alter Mann Fußbad

Gestärkt vom vorabendlichen Forellenmenue zu günstigen Preisen und einem absolut zufriedenstellenden Tafelwein für schlappe 1,70 Euro pro halbem Liter, machten wir uns bei anfänglichem Nieselregen wanderslustig auf den Sentier d`interpretation de L`Hermet. Trotz relativ kurzer Strecke haben wir dabei vielfältige Panoramen geboten bekommen.

Wandern 1 Frosch
Kuh Wandern 2
Wandern 3 Une bergerie en ruine

Mit Ausblick zurück ins Dorf, fand sich beim Abstieg doch noch eine sonnige Stelle für unser Picknick und entgegenkommenden Wanderern konnten wir sogar kurzzeitig den Esel abschnacken.

Wandern 4 Picknick
Talblick Mit dem Esel in den Cevennen

Gorges du Tarn

Unsere neue Reiseroute begann diesmal, indem wir erstmal etwas Strecke machten, um am engen Verkehrsknotenpunkt bei Albi vorbei bis Aguessac durchzufahren. Im dortigen Gasthaus einer alten Mühle fanden wir unsere Unterkunft für die Nacht, bewacht von diversen Hofhunden, die hier wohl zum Teil schon ihr Gnadenbrot finden. Mit Frühstück gestärkt fuhren wir so am nächsten morgen in die Schlucht ein, welche der Tarn hier gegraben hat und die zu Frankreichs schönsten Flusslandschaften zählt. Roquefort liegt nicht weit zurück und auch in diesem Gebiet gibt es eine Käserei, die den regionalen Blauschimmelkäse bleu de casse fertigt.

Mühle Frühstück
Einfahrt zum Gorges du Tarn Käserei

In Les Vignes fuhren wir hoch zum Aussichtspunkt. Die Dimensionen dieser Ausläufer des Zentralmassivs sind wirklich mächtig.

Point Sublime

Gorges du Tarn

Bei der Fahrt über das Plateau überrascht dann wieder ganz andere Landschaft und sogar Königsadler sind hier zu erspähen.

Plateau 1 Plateau 2
Plateau 3 Königsadler

Herrliche Ausblicke bietet auch die Abfahrt zum Dorf Saint-Enimie, dass wir mit seinen engen Gassen und zusammengeklöppelten Pflasterwegen schnell ins Herz schlossen.

Sainte-Enimie 1 Sainte-Enimie
Sainte-Enimie Sainte-Enimie 4
Sainte-Enimie 5 Sainte-Enimie 6

Immer wieder findet man diese kleinen, in den Felsen gehauenen Dörfchen auf dieser Strecke.

Dorf im Felsen La Malène

Mit einem letzten Blick zurück in die Schlucht, verlassen wir den Gorges du Tarn über Millau.

Gorges du Tarn Brücke von Millau

Kurz über`n Pass

Von Toulouse aus erreicht man innerhalb kurzer Zeit unterschiedlichst geprägte Regionen und so ein Nachmittagsausflug in die Midi-Pyrenäen nach Andorra gehört da schon beinahe zum Standardprogramm.

M-P 1 M-P 2
M-P 3 M-P 4
M-P 5 Andorra

Da sich unser Appetit mal wieder zwischen den hier üblichen Essenszeiten meldete, nahmen wir gern mit einem Häppchenbuffet in einer Bar volieb. Aufgrund von Sprachproblemen mit dem Katalanischen sowie fehlender Getränkekarte, entschieden wir uns bei angebotener Cola, Fanta, Bier unkompliziert für Cerveza.

Häppchenbuffet in Andorra

Oh, Chateau!

Auf unserer Tour durch die katalanisch geprägte Region des größten zusammenhängenden Weinbaugebietes der Welt, das Languedoc-Roussillon, fuhren wir an unzähligen Weingütern vorbei und da sollte man sich eine Weinprobe vor Ort nicht entgehen lassen.

Wir sind dann auch wohl dem richtigen Riecher gefolgt, als wir uns auf der Halbinsel La Clap zu einem Stop entschlossen. Durch Versandung ist die ehemalige Insel inzwischen an das Festland angeschlossen und in der bergigen Region liegt das urige Verkostungshäuschen des Château Abbaye des Monges. Begrüßt von einem aufmerksamen Hofhund und spielenden Kindern wurde schnell die Dame des Hauses auf uns aufmerksam und gewährte Einlass zu einer umfassenden Probe. Die Weine werden vielleicht an anderer Stelle noch einmal besprochen – einer bereits hier! Wir haben uns so ein schönes Sortiment zusammengestellt, welches vielfältigen Geschmack und unterschiedlichste Charaktere beinhaltet. Dazu noch ein Gläschen dunkler Tapenade aus Oliven, Wein, Kapern, Wasser, Öl, Anchovis, Senf, Pfeffer, Thymian und Lorbeer.

Chateau de Monges Weinprobe am Chateau de Monges

Rosé kam bei uns bisher gar nicht auf den Tisch, aber diese Region hat wirklich sehr schmackhafte Vertreter zu bieten, so dass wir auch bei unserem Essen im pittoresquen Collioure Gefallen daran fanden und in einem der anliegenden Geschäfte eine entsprechende Flasche dieses sehr dunklen Weines vom Abbe Rous und natürlich ein Glas der hier bedeutsamen Anchovis erstanden.

Wein und Anchovis an Collioure

Pfingstmontagsochsentour

Nach dem ersten Tag unserer Reise, haben wir es am Montag etwas besinnlicher zugehen lassen und sind directement wieder ans Mittelmeer, die Cote Vermeille entlang, zum malerischen Städtchen Collioure gefahren. Dessen Stadtstrand wird von der imposanten Festung der Tempelritter geschützt eingerahmt.

Collioure

Hier haben bereits Henri Matisse und andere Fauvisten ihre farbigen Motive gefunden und er schwärmte:

Ich brauche nur die Fensterläden zu öffnen, und schon habe ich alle Farben des Mittelmeers bei mir.

Auch heute sitzen noch viele Ateliers in den bunten Gassen versteckt und die vielfältigen Farben zauberten auch uns sofort ein Lächeln ins Gesicht.

Pinke Häuschen in Collioure Collioure
Collioure am Meer Kapelle Collioure

Nach einem ersten Rundgang, stärkten wir uns bei einem adäquat opulenten Mittagsmenue in der Altstadt mit katalanischem Vorspeisenteller, gratinierten Austern und Miesmuscheln, gefolgt von Filet de boeuf Rossini mit Fois Gras und einer Crème Catalan als Abschluss.

Katalanischer Vorspeisenteller Gratinierte Austern und Miesmuscheln
Filet de boeuf rossini mit Fois Gras Das perfekte Fleisch

Mit einer letzten, begeistert staunenden Runde verabschiedeten wir uns von diesem wunderschönen Städtchen.

Collioure Collioure
Collioure Collioure
Collioure Collioure
Collioure Collioure

Mit einem kurzen Badestop in Paulilles ging es die Küste entlang über die spanische Grenze bis Portbou.

Paulilles Cote Vermeille
Spanische Grenze Französische Grenze

Für eine geplante Rücktour durch die Berge über Andorra hatten wir uns zeitlich etwas verkalkuliert, damit vorerst verschoben und so fuhren wir relativ direkt wieder zurück nach Toulouse.

Pfingstsonntagsochsentour

Über Pfingsten haben wir uns zu einer ganz anständigen Tour entschlossen, denn Reisen macht ja bekanntlich den Kopf frei, auch wenn sich die Haut vom intensiven Sonnenbaden bereits pellt. Die grobe Richtung war schnell klar und die jeweiligen Anlaufstellen nach spontanem Gusto festgelegt.

Zuerst gings durch Europas größte und besterhaltenste mittelalterliche Festungsanlage des alten Carcassonne im Katharerland, über dem Tal der Aude, die etwa Robin Hood als Filmkulisse diente und seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Bereits aus der Ferne beeindruckend, ließe es sich darin geradezu Rapunzelhaft herumspielen, wenn nicht leider das Innere von touristischen Büdchen und Cafés vollgestopft wäre. Beeindruckend ist es trotzdem.

Blick aud Carcassonne Die Festung von Carcassonne
Der Blick aus der Festung von Carcasonne Der Friedhof von Carcassonne

Weiter fuhren wir durch die würzig duftende Montagne de la Clape, an unzähligen Weingütern vorbei an die Küste von Narbonne bis zum uralten Fischerort Gruissan, dessen Häuser sich konzentrisch rund um einen Felsen samt Burgruine aus dem 12. Jahrhundert drängen. Während im Dorf die alten Frauen strickend in den Straßen sitzen, hat man vom Felsen aus einen tollen Blick bis zu den Salins de l`Ile Saint-Martin.

Gruisson Blick von der Ruine von Gruissan
Salins de l`Ile de Saint-Martin Meersalzgewinnung bei Gruissan

Überall blüht und summt es.

Schmetterling Hummel im Ginster

Übernachtet haben wir dann in Pergignan – der Hauptstadt des Département Pyrénées-Orientales – welche aufgrund ihrer unübersichtlichen kleinen Straßen leider wenig Überblick in kurzer Zeit gestattet. Zwar umfuhren wir mehrfach den majestätischen Palais des Rois de Majorque, aber als wir schließlich unser Hotel im nordafrikanisch geprägten Viertel von St. Jacques fanden, wurden gerade die Bordsteine von palavernden Männergruppen in traditioneller Kleidung hochgeklappt und so ließ sich nur noch bei einem hakenschlagendem Spaziergang durch das Gassengewirr etwas städtisches Flair einatmen.

Perpignan Regenrinne von Perpignan

Französische Grillage mit Programm

GrillprogrammDie Marktausbeute wurde natürlich größtenteils sofort beim abendlichen Grillen verbraten und als Beilage bot sich das anonyme Auberginenchutney.

Aubergine
Fromage frais
Knoblauch
Zitrone
Pfefferminz
Pfeffer und Salz

Die Aubergine wird dazu in der mehrfach angestochenen Schale im Ofen bei 200 Grad etwa 40 Minuten gebacken, dann schälen und gewürfelt mit etwas gehacktem Knoblauch, Salz, Pfeffer und dem köstlichen Fromage frais verrührt ziehen lassen. Ein wenig fehlte mir dabei die Säure vom Joghurt, aber ein Spritzer Zitrone tuts auch und da Pfefferminze hier wie Unkraut wächst, wurde auch davon noch etwas untergerührt und fügte sich geschmacklich bestens ein.

Dazu ohne viel Worte das Fleisch vom Grill: Entrecote, Faux-filet und Bavette.

Auberginenchutney mit Fromage frais Entrecote, Faux-filet, Bavette




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