Archiv für September 2009

Winzerpfännchen

Blog-Event XLIX - Ferienküche (plus Wettbewerb) - Abgabetermin 15.9.2009Zorra und die Cookids suchen im Kochtopf nach Rezepten aus der Ferienküche. Auf unserer sommerlichen Tour entlang der Mosel, vorbei an unzähligen Weinlagen mit aberwitzigsten Namen, kehrten wir oft in einer der anliegenden Straußenwirtschaften ein. Dort kann man sich durch die örtlichen Traubentropfen probieren und bekommt dazu günstige, bodenständige Küche geboten. Mein Favorit war hier das Winzerpfännchen, wofür es nicht mehr braucht als:

Kartoffeln
Lauch
Apfel
Blutwurst

Kartoffelwürfel in Öl und Butter wie Bratkartoffeln anbraten, Lauchringe dazugeben und zum Ende hin Apfel- und Blutwurstwürfel kurz mitschwenken. In eine Auflaufform umfüllen, nochmal etwa 10 Minuten bei 180 Grad im Ofen backen und nach Geschmack mit Käse gratinieren.

Dazu schmeckt eine Sauce Bérnaise. In der eben genutzen Pfanne werden dazu Schalottenwürfelchen angeschwitzt, mit einem Schuss Sherryessig und Weißwein abgelöscht und eingeköchelt. Umfüllen in ein kleines Stieltöpfchen und mit einem Klacks Estragonsenf und zwei Eigelb im Wasserbad schaumig schlagen. Nach und nach Butterstückchen unterrühren und möglichst zügig zum Winzerpfännchen servieren.

Winzerpfännchen mit Suace Bérnaise

Fast forward durch Friedrichshain

HC 5Nach unserer letzten kulinarischen Berlinexkursion haben wir diesmal ausschließlich zu Fuß und damit allerpünktlichst den gastgeberlich vorgegebenen Partyfahrplan einhalten können. Das konsequent stimmiger werdende und unbedingt lesenswerte Magazin Hate lud zur Finanzierungsparty im relativ neu eröffneten Club Cargo ein. Auf dem herrlich abgeranzten RAW-Gelände zwischen Containern der Bread & Butter, aufgeschüttetem Sand und leuchtenden Kubiks kann man auf mehreren Ebenen, drinnen wie draußen, unbedingt ansehnlich feiern.

HC 1 HC 2
HC 3 HC 4

Bei schönstem Septembersonnenwetter einigte man sich am Samstag, nach einem Croissant- und Milchkaffeefrühstück von der Hand, schnell auf das vielleicht letzte Open Air dieses Jahres und bei all der Tanzerei waren wir mit einer zwischenzeitlichen Stärkung bei den italienischen Pizzapunkern vom Il Ritrovo – Cucina Casalinga Popolare auch zufriedengestellt. Hier gibt es sogar Pizza mit Pferdefleisch, die ich beim nächsten mal unbedingt probieren muss. Diesmal siegte die aufziehende Katerstimmung mit Sardellen und Oliven.

Am verregneten Sonntag war beim Burgeramt leider der Grillabzug ausgefallen, sodass leidglich Frittiertes wie Halloumi und knusprige Chickenpallets unseren Burgerhunger stillen konnten. Dazu gibts riesige Pommesportionen und darüber geht ja schonmal wenig. Bei einem kurzen Abstecher zu Olivia haben wir uns schließlich mit einer bunten Tarteauswahl eingedeckt, um damit dieses viel zu kurze Wochenende gemütlich zu Hause essend nochmal Revue passieren zu lassen.

Olivia Berlin

Mein erster Pflaumenkuchen

Ein neuer Wochenendausflug steht an und als Mitbringsel gibt es meinen ersten Pflaumenkuchen nach dem ungefähren Rezept von Fool for Food. Da es nur eine Springform ins Reisegepäck schafft, habe ich die Teigangaben halbiert. Die Kokosgeschichte hab ich ausgelassen, Buttercreme und Streusel dafür 1:1 übernommen, sowas mag ich. Außerdem habe ich Vanillezucker durch das Mark einer Schote ersetzt, weil die hier grad noch zur Hand war. Langsam gewöhn ich mich ans Backen und trotz Küchenchaos kommt doch zumindest immer ein schönes Gastgeschenk dabei raus. Sieht gar nicht so schlecht aus, oder?

Pflaumenkuchen

Mangoldspaghetti mit Rote-Bete-Sauce

Das ist jetzt aber wirklich mal ein bunter Teller und überhaupt: Endlich wieder Pasta! Darf man diese generelle Dreifarbigkeit eigentlich tricolori nennen? Farblich ist das jedenfalls ein Knaller, allerdings sollte man beim Anrichten behutsam vorgehen, damit nicht alles unikreischpink bei Tisch landet. Benötigt werden:

Rote Bete
Zwiebel
Knoblauchzehe
Gemüsebrühe
Sherryessig
Schafskäse
Mangold
Arganöl oder ein anderes, nussig schmeckendes Öl

Die Rote Bete in reichlich Wasser aufkochen und dann etwa eine Stunde auf kleiner Flamme ziehen lassen. Schälen und gestückelt mit Zwiebeln sowie zerdrückter Knoblauchzehe anbraten, mit Gemüsebrühe auffüllen und noch einmal weiterköcheln, bis sich die Stücke gut pürieren lassen. Zum Schluss Schafskäsebröckchen unterrühren und mit Sherryessig abschmecken. Nebenher Spaghetti aufsetzen.

Mangoldstengel anrösten, Blätter auflegen, einen Schuss Gemüsebrühe darüber geben und bei geschlossenem Deckel wenige Minuten dünsten. Abgegossene Spaghetti mit dem Mangold vermengen, etwas Arganöl darübergeben und kurz ziehen lassen, bevor die Portionen auf dem Teller landen. Mit einem großzügigen Klacks der Rote-Bete-Sauce anrichten und nach Belieben mit etwas Grünzeug wie Frühlingszwiebelringen oder Schnittlauch garnieren.

Mangoldspaghetti mit Rote-Bete-Sauce

Shiitake an frittiertem Tofu

Now to something completely different, wenn auch die Pilze noch aus dem bunten Foodmarketkörbchen stammen. Ebenso die Queller, hier mit Sprossen zum pikantfrischen Salat hergerichtet. Die salzigknusprigen Gewächse halten sich leider nicht lange und fangen sogar an, sich zu zersetzen, wenn sie mit Süßwasser in Kontakt kommen. Schnell weg damit also und zwar fix asiatisch mit:

Shiitake
Frühlingszwiebeln
Knoblauch
Seidentofu
Sesamöl
Japanischer Blattpfeffer

Den in Scheiben geschnittenen Tofu leicht mehliert in Sesamöl frittieren. Nebenher Frühlingszwiebeln, Pilze und Knoblauch in Sesamöl anbraten und mit einem Schuss Soja-Wasabi-Sauce vermengt sowie mit Streifen vom Blattpfeffer garniert zu Reis anrichten.

Shiitake an frittiertem Tofu

Süße Teigtäschchen mit ReisÜbrigbleibender Reis lässt sich mit einem Spritzer Reisessig versehen in diesen köstlichen Tofutäschchen Aburaage zum Inarisushi herrichten. Die Täschchen gibt es fertig, leicht gesüßt im Asialaden zu kaufen und schmecken als nachmittäglicher Snack ganz wunderbar.

Sommerliche Ofentomaten

TomatobunchTatsächlich lässt sich der Sommer noch einmal blicken und verhilft meiner Tomatenausbeute auch dank Bollis Rezept zu einem kulinarischen Terassenauftritt. Zur saisonalen Aromatisierung der fix selbstgemachten Semmelbrösel habe ich allerdings getrüffelten Ziegenhartkäse sowie Majoran, Basilikum und Rosmarin verwendet. Bei schönstem Wetter, begleitet von einem knusprig gebackenen Ciabatta – das schmeckt!

Tomatenscheiben aus dem Ofen

Brunchteller Deluxe

So sehr ich bei meinem Bummel über den Hamburger Foodmarket auf die Ausweitung meiner häuslichen Vorräte erpicht war, gibt es bei der Zubereitung daheim natürlich erst Recht kein Halten mehr. Darum schmeckt zum späten zweiten Frühstück eine in Butter geschwenkte Pilzpfanne von Kräuter- und Zitronensaitlingen mit Parmesankräckern aus dem Ofen. Eigentlich sollte das ein Nest werden, aber ich habe wohl zuviel Mehl zum geriebenem Käse gegeben. Daneben landet mehliert und in Butter gebratene Rinderblutwurst mit Birnenzwiebelchutney und natürlich darf das perfekte Rührei nicht fehlen, diesmal mit getrüffeltem Ziegenhartkäse und einem Schlag Crème Double verfeinert.

Brunchteller Deluxe

Hamburger Foodmarket 2009

Ein Blick in den Kuriositätenladen erinnert mich heute à la minute an den diesjährigen Hamburger Foodmarket. Letztes Jahr hatte ich den ärgerlicherweise bereits verbaselt und mit einem Restschnöf im Kopp wär er mir wohl auch diesmal entgangen. Nix wie hin da also! In der Großmarkthalle – pünktlich zur Mittagszeit – langen wir natürlich sofort und ohne Gefangene zu machen, bei der erstbesten Gelegenheit zu. Lammpaté mit zweierlei Chutney an Wildkräutern für vier Euro. Das geht so fix runter, dass nicht mal ein Foto davon übrig bleibt. Wohl aber vom nächsten Streich – andere Ecke, gleicher Preis: Ravioli mit Kaninchenleber und Mandeln. Toll! Draußen kann man derweil Gabelstapler fahren. Wie geil ist das denn?! Leider nicht mehr unsere Hüftweite, schade.

Halleneingang Mittag beim Foodmarket
Ravioli mit Kaninchenleber und Mandeln Gabelstaplerfahren

Dafür staunen wir mit großen Augen durch die Hallengänge. Vieles ist leider nur zur Verkostung vor Ort vorgesehen, aber freundliches Nachfragen lohnt sich zumeist doch. Bei diesem außerordentlichen Käsestand stellen wir uns dann auch gerne an.

Käse I Käse II

Mein absolutes Highlight ist der Tomatenkresseundkräuterstand. Man darf sich durch das Meiste durchprobieren und es sind wahnsinnig tolle Sachen darunter. Tomaten in den unterschiedlichsten Farben und Formen. Die Kresse irgendwie übergehend, lasse ich mich jedoch von einer unscheinbar aussehenden, gelben Blüte aus den geschmacklichen Socken hauen. Man warnte mich gerade, es reiche ein Stückchen, da ist das Dingelchen schon komplett in meinem Mund zerbissen. Und was ist? Nix, zumindest nicht viel. Mein Blick schweift schon weiter über Olivenkraut, japanischen Wasserpfeffer und dann plötzlich gehts los: Der ganze Mund fängt wie verrückt an zu prickeln, leichte Schärfe dabei und ich kann erstmal gar nichts anderes mehr schmecken. Dieser Zustand hält einige Minuten an, der Standbursche grinst. Ich befürchte schon, meine kulinarischen Exkursionspläne wegen akuter Mundtaubheit an den Nagel hängen zu müssen, als ich verlegen an einem Stück Queller nage. Hilflos frage ich: „Queller schmeckt tatsächlich nach Lakritz?“. Nein, das Brennen lässt nach und dieser wohlige Salmiakgeschmack kommt von dieser Wunderblüte. Hintenrum reingeschmeichelt, ganz wunderbar rund am Gaumen. Davon will ich natürlich gleich einen ganzen Beutel haben und die Queller, diverse Tomaten, Kräuter – einfach alles. Leider gibt es nur einzeln ausgewählte und bereits verpackte Kaufmöglichkeiten, der Rest sind reine Ausstellungsstücke. Gemein oder? Eine Blüte steckt mir mein immer noch sichtlich amüsierter Berater aber dann doch noch zu.

Tomatenwahn

Wir hatten bereits die meisten Stände abgeklappert und wählen für unser verzehrendes Finale ohne Zögern die Abteilung der Jungköche. Dreierlei Interpretationen vom Labskaus: Rauchige Vichysoise, Tafelspitz auf Rote-Bete-Capacchio mit ebensolchem Schaum und Matjessalat mit frittiertem Wachtelei. Frisch vor Ort zubereitet. Nachtisch schmeckt an gleicher Stelle: Kreative Kuchenvariationen mit Streuseleis, Schwarzwälder Kirsch und Apfelstrudel.

Junge Küche Nachtisch

Alles in allem können wir aber noch eine schöne Ausbeute nach Hause schaffen und die kleine gelbe Blüte ist auch dabei. Siehste?!

Ausbeute

Nachschlag vom Sonntag: Geschmorte Kalbsbäckchen auf Sellerie-Möhren-Ragout, Burger vom Angusrind mit Ziegenkäse, Kürbis und rotem Basilikum, Schokoladenmalheur mit Aprikose und eine Kiste weiterer Beutestücke für daheim.

Geschmorte Kalbsbäckchen auf Sellerie-Möhren-Ragout Burger vom Angusrind Schokoladenmalheur mit Aprikose Marktausbeute II

No BnQ

No-BNQ
No BnQ – weitere Informationen

Sommerlektüre 2009

Sommerlektüre 2009Mit einem echten Klopper zum Abspannen in Toulouse startete meine Liste mit F. M. Dostojewskis Raskolnikow, besser bekannt als Schuld und Sühne oder neuerdings Verbrechen und Strafe. Der Sommer ist oftmals Krimizeit. Dieser bereits 1866 erschienene, erste große Roman des Autors kann als Urform der psychologischen Täterstudie gelesen werden und ist in seiner umfangreichen Gesellschaftsbetrachtung sozial- revolutionär verankert. Der talentierte, dabei prekär lebende Student Raskolnikow ermorded eine wuchernde Pfandleiherin und scheint damit nicht durchzukommen, Beweise gibt es jedoch keine. Motiv und Antrieb, was treibt jemanden zu dieser Tat, gibt es einen perfekten oder sogar gerechtfertigten Mord – diese Fragen umkreist nicht nur der zunehmend dem Wahnsinn verfallende Täter. Familie, Freunde, Bekannte und die Polizei – alle entwickeln ihre ganz eigenen Theorien und jeder wird in diesem Buch nachgegangen. Am Ende drohen Sibirien oder der Tod.

Entlang der Mosel reisend, ich habe wenig Lust auf zerstückeltes Lesen, bot der von Oliver Lubrich zusammengestellte Sammelband Reisen ins Reich 1933 bis 1945 eine düstere Kulisse. Ausländische Autoren berichten aus dem Deutschland dieser Zeit. Von der Diplomatentochter über Korrespondenten bis zum Landstreicher treten in Briefen, Tagebucheinträgen und anderen Notizen unterschiedlichste Wahrnehmungen und Stimmungen zu Tage, die vor allem immer den privaten Einblick bieten. Teilweise selbst korrigierend oder mit den Tagesgeschehen sich wandelnde Momentaufnahmen, formen so ein facettenreiches Bild der Zeitgeschichte. Den Anspruch auf Vollständigkeit kann sowas natürlich nie ganz erfüllen. Deutlich erkennt man aber, mit welchem Stellenwert hier persönliche Schriftkultur erachtet und dementsprechend gepflegt wurde.

Autobiographisch, mit allen damit einhergehenden persönlichen Blockaden, kommt J. R. Moehringers Roman Tender Bar zum Sommerende daher. Dabei liest man bemerkenswert, eingängig fließend die Geschichte eines kleinen Jungen auf der Suche nach Vorbildern, Identität und dem Hunger nach mitreißenden Erzählungen – dem Geheimnis des Lebens und Schreibens. Seiner Mutter verpflichtet, vom Vater im Stich gelassen und unter dem großelterlichen Trümmerdach aufwachsend, sind es zunehmend die Männer aus der Bar, mit denen er sich verbunden fühlt, während er erste Freundinnen, das fremdbleibende Yale und seine schier endlosen Probejahre durchkämpft.




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