Archiv für Oktober 2009

Kraut- und Rübenzeit

Kraut- und Rübenzeit herrscht derzeit in meiner Küche. Nicht nur, weil sich diese saisonal bedingt in den Vorratsschüben ansammeln. Ungünstig gelegene Arbeitszeiten torpedieren liebevolles Kochen und die Zeit für gemeinsame Mahlzeiten fällt entsprechend knapp bemessen aus. Zu früh, zu spät und oder einfach in Eile, da macht mir das Verbloggen ebenso wenig Spaß, obwohl es wohl definitiv ein Thema wäre. Einiges lässt sich auf Vorrat zubereiten, zum Mitnehmen, Aufwärmen etc., aber das ist eben nur das halbe Vergnügen. Allerhöchstens.

Caesars Salat mit KohlrabiTrotzdem verfallen wir derweil keineswegs in Askese, bloß bleiben in der Regel überschaubare Zwischenmahlzeiten. Ein Caesars Salat mit gedünstetem und in Butter geschwenktem Kohlrabi, dazu Knoblauchbrotcroutons, sowas ist schonmal drin. Das ist zur Zeit meine bevorzugte Rübenzubereitung, denn die Vitamine bleiben weitestgehend erhalten und das wohlig abschließende Butterbad wirkt als Geschmacksboost.

Rosmarinkartoffeln sind auch gern genommen. Halbiert und eingeritzt landen sie im Ofen und genießen mehrmaliges Bepinseln mit rosmarinaromaitsiertem Olivenöl und Knoblauchspicken. Dazu gedünstete sowie in Café de Paris Butter geschwenkte Navet Rübchen und einfach Salat, Essig,Öl. So sollte es nicht ewig weitergehen, aber für den Moment lässt sich damit leben.

Rosmarinkartoffeln mit Navet Rübchen

Röstpastinakenpürée auf Rote Beta Carpaccio

Ein bunter Teller voll schmackhaften Gemüses soll es werden. Mit geplünderten Vorräten gelingt das ganz schön bunt aus:

Pastinakenpürée auf Rote Bete CarpaccioRote Bete
Balsamicoessig
Kürbiskernöl
Zitronensaft
Pastinaken
Curry
Garam Masala
Frühlingszwiebeln
Milch

Die ganzen Rüben garen in der Schale, umwickelt mit Alufolie, bei 180 Grad im Ofen etwa 30 Minuten. Dann geschält in Scheiben hobeln und mit Essig,Öl, einigen Spritzern Zitrone mariniert auf den Tellern auslegen.

Die in grobe Stücke geschnittene Pastinakenwurzel mit reichlich Olivenöl und Curry versehen. Auf einem Ofenblech etwa 20 Minuten rösten. Danach mit Schmackes durch die Püréepresse jagen, etwas Milch angießen sowie Frühlingszwiebeln unterrühren und auf dem Rote Bete Carpaccio anrichten.

Die Teller lassen nach dem Essen ein mittelschweres Massaker vermuten.

Massakerüberreste

Beschwipster Mandelkuchen

Zappalott, schon wieder strömen Bäckereiaromen durch die Bude. Das Tolle ist: Kein Mehlgewirbel! Denn dieser äußerst saftige Mandelkuchen lässt sich zusammenrühren aus:

6 Eigelb
250 g Zucker
Vanillemark
Abrieb einer Zitrone
300 g gemahlene Mandeln
Backpulver
6 Eiweiß
Prise Salz
Dessertwein – hier Monbazillac
Puderzucker

Eigelb schaumig schlagen. Zucker, Vanillemark, Zitronenzesten sowie dann gemächlich gemahlene Mandeln und Backpulver Einrühren. Eiweiß mit einer Prise Salz steif schlagen und vorsichtig unterheben. Den Teig in einer Springform ausstreichen. Bei vorgewärmten 175 Grad im Ofen maximal 55 Minuten backen. Der Kuchen verbrennt oben schnell, aber es hilft, das Ganze mit einem Stück Backpapier abzudecken. Kurz auskühlen lassen. Dann mit Dessertwein besprenkeln, stürzen, wieder Dessertwein überklecksen und mit Puderzucker bestreut gern auch schon warm genießen.

Beschwipster Mandelkuchen

Bei genauerer Überlegung passt dieses Rezept doch auch zum aktuellen Gärtnerblogevent Trauben & Wein, vor allem weil ich kaum glaube, dass ich ansonsten bis Monatsende noch einmal zu einer annährenden Kombination komme. Ein paar Rosinen stünden diesem Kuchen sicher auch ausgezeichnet, aber dafür ist es in der Tat wohl zu spät. Einfach mitdenken.

Garten-Koch-Event Oktober 2009: Trauben & Wein [31. Oktober 2009

Spätstück

Das perfekte Rührei mit Kräuterseitlingen.

Rührei mit Kräuterseitlingen

Wie das Blatt sich wendet

Das Hamburger Abendblatt veröffentlichte heute früh einen Onlineartikel zu aktuellen Entwicklungen im Gängeviertel. Dieser Text wurde hier inzwischen drastisch gekürzt.

Die volle Version findet man jedoch noch hier:

Staatsräte stoppen Bezirkschef – Runder Tisch geplatzt
Behörden boykottieren Treffen mit Künstlern und Investor. Oberbaudirektor angewiesen, Gastbeitrag für Abendblatt zurückzuziehen.

Die Lage im Streit ums Gängeviertel hat sich gestern Abend zugespitzt. Um 18 Uhr trafen sich Vertreter der Künstlerinitiative Komm in die Gänge mit den Staatsräten der Finanz-, Stadtentwicklungs- und Kulturbehörde sowie Mitte-Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) zum Gespräch in der Finanzbehörde. Thema des kurzfristig von der Stadt einberaumten Treffens: Der runde Tisch zum Gängeviertel, zu dem Amtsleiter Schreiber alle Beteiligten eingeladen hatte (wir berichteten). Resultat: Ausgerechnet die Senatsvertreter lassen die Runde platzen. Das bestätigte die Kulturbehörde auf Nachfrage. Eine offizielle Begründung dafür gibt es laut Sprecherin Susanne Frischling nicht. Unabhängig davon will Markus Schreiber in zwei Wochen erneut zu einem runden Tisch einladen. Ob der Senat dann daran teilnehmen wird, ist unklar. Schreiber: Zusagen habe ich noch nicht.

Das Treffen in der Finanzbehörde dauerte ungewöhnlich lange. Erst nach dreieinhalb Stunden verließen die Teilnehmer das Gebäude am Gänsemarkt. Äußerungen gab es keine mehr: Alle Seiten hatten Stillschweigen vereinbart – und sie hielten sich daran.

Wie aus CDU-Kreisen zu hören ist, soll unbedingt ein direktes Aufeinandertreffen von Künstlern und Investor verhindert werden. Anscheinend hat der Senat Angst davor, dass sich beide Seiten einigen. Das könnte nämlich teuer für die Stadt werden. Erklärt sich Hanzevast zum Beispiel bereit, Ideen der Künstler umzusetzen – wie es weite Teile der Öffentlichkeit in Hamburg wünschen – hat das Unternehmen in den Verhandlungen mit dem Senat ein Druckmittel in der Hand. Er könnte im Gegenzug einen Nachlass beim Kaufpreis fordern.

Rückblende: Bereits Donnerstagmorgen hatte der niederländische Investor Hanzevast überraschend seine Teilnahmen am runden Tisch zugesagt, ebenso die Künstler. Am Nachmittag wurde Markus Schreiber als Initiator der Runde überraschend zu Staatsrat Manfred Jäger (CDU) zitiert. Grund: Die Behörde war nicht begeistert davon, aus den Medien von der Einladung zur Gesprächsrunde zu erfahren. Dem Amtsleiter wurde nahe gelegt, den Termin abzusagen. Es sei nicht der richtige Zeitpunkt für eine solche Runde, hatte es geheißen. Soweit ging Schreiber zunächst nicht. Am Nachmittag dann die klare Absage der Behörden. Susanne Frischling, Sprecherin der Kulturbehörde, antwortete dem Abendblatt auf die Frage, ob die Behörden dabei sein werden, eindeutig: Nein!

Ein weiteres Nein kassierte der oberste Beamte der Stadt, Oberbaudirektor Jörn Walter. In einem Gastbeitrag für das Hamburger Abendblatt wollte er sich für die Integration der Künstler in das Viertel einsetzen, da er die Aktivitäten der Künstler sehr positiv wertet. Obwohl der Beitrag schon druckfertig vorlag, wurde er kurzerhand von der Behördenleitung einkassiert. Auf Nachfrage hieß es dazu aus der Kulturbehörde, die beteiligten Behörden hätten sich auf Staatsräte-Ebene darauf geeinigt, dass ein solcher Namensbeitrag zu diesem Zeitpunkt nicht gewünscht ist. Walter selbst war gestern für eine Stellungnahme nicht mehr zu erreichen. Ein Maulkorb für den Oberbaudirektor? Die einzig offizielle Stellungnahme, die die Kulturbehörde zum Thema Gängeviertel gestern frei gab, war die nichtssagende Äußerung: Wir verhandeln in alle Richtungen.

Die Opposition zeigte sich von den Ereignissen des gestrigen Tages überrascht. Andy Gote, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, sagte: Der Senat hat für das Gängeviertel keine Lösung und muss den runden Tisch absagen, um sich auf eine Sprachregelung zu einigen. Erst wenn sich Schwarz-Grün auf eine gemeinsame Linie verständigt habe, sei der Senat wieder handlungsfähig. Das Schweigen der Stadtentwicklungssenatorin Anja Hajduk (GAL) zeigt, dass sie offenbar jeden politischen Einfluss in einem ihrer Kernbereiche auf- und an die CDU abgegeben hat, so Grote weiter In der aktuellen Diskussion um das Gängeviertel gebe es keine öffentlich wahrnehmbare grüne Position.

Spaghetti Guacamole, Aglio et Olio

Aglio et Olio ist an sich ja ne schnelle und einfache Sache. Kurz vor bissfest gekochte Spaghetti ziehen mit Knoblauch, Chili in reichlich Olivenöl gar, Parmesan drüber und dann könnte man auch schon loslegen. Mir fehlt zudem jedoch oft die Gemüsekomponente. Da kommt so ein großzügiger Schlag Guacamole gerade recht. Avocado mit Sauerrahm, Garam Masala und Limettensaft aufpürieren, der Zeitaufwand bleibt dabei trotzdem überschaubar. Zugegeben, mit Gemüse hat das weiterhin wenig zu tun, aber befriedigt eben doch.

Spaghetti Guacamole, Aglio et Olio

Liebesapfel

Auf meinem Balkon gedeiht einiges ganz prächtig, vom Blütenmeer war hier sogar schonmal die Rede, aber all das kann doch nicht darüber hinweg täuschen, dass der Ertrag für die Küche dabei ausgesprochen gering ausfällt. Basilikum hält sich bei mir kaum wenige Monate, der Oregano hat den plötzlichen Temperatursturz übel genommen und selbst mein Rosmarinbusch ist mir beim letzten Jahreswechsel plötzlich verdörrt. Das kann ich durch gelegentlich neu aufgestellte Kräutertöpfchen zwar teilweise überspielen, aber so ein echter Ernteerfolg wär mir doch lieber.

Dieses Jahr war ich erst voller Zuversicht, als ich zwei junge Tomatenpflanzen geschenkt bekam. Kein bloßes Blattwerk, sondern echte Früchte – Paradies- oder eben auch Liebesäpfel – wollten es werden und ich habe mit Argusaugen die ersten Blüten bewacht. Das halbschattige Plätzchen wurde zur Tabuzone für Katzen erklärt und stürmischen Windböen wütend entgegengebrüllt. Zugegeben, das klingt jetzt nicht nach entsprechend paradiesischen Zuständen, aber mein gärtnerischer Ehrgeiz hatte mich definitiv fest gepackt.

Tja, was soll ich sagen, das Ergebnis ist niederschmetternd. Ein lausiges, blass orangenes Früchtchen habe ich letzte Woche vor erwarteten Minustemperaturen absammeln können. Walnussgroß, allerhöchstens, kullert diese vorgebliche Tomate jetzt verloren auf dem Küchentisch und mir bleibt nur zu hoffen, dass bei der Nachreifung wenigstens noch ein bisschen mehr Farbe ins Spiel kommt.

Vielleicht kann mir ja jemand für die nächste Saison ein stabileres Pflänzchen empfehlen. Eine Tomoffel beispielsweise, das könnte doch sicher was werden.

Meine erste und einzige Tomate

Okonomiyaki – japanische Pizza

Okonomiyaki, das hört sich natürlich erstmal doll an, ist aber grundsätzlich bloß im Eierkuchen gebratenes Gemüseallerlei, hier mit Chinakohl. Okonomi bedeutet was du willst und yaki bedeutet gebraten oder gegrillt. Das Originalrezept liest sich so, aber wir haben diesen Versuch unseren Vorräten entsprechend angepasst. Also Pastinake und Ingwer statt Yamswurzel, keine Garnelen und getrocknete Algenkräcker anstelle von Bonitoflocken.

Okonomiyaki

Käsefondue

Schon letztes Jahr hatten wir ein Fondueset geschenkt bekommen. Allerdings sprang der Topf bereits beim ersten Versuch in zwei Hälften und wir schauten hungrig in die Röhre. Jetzt haben wir endlich Ersatz erhalten, eine solide Gusseisengeschichte, denn wenn heißes Öl und Brennpaste aufeinander träfen, kann sowas auch mal schnell böse knallen.

Was die Käseauswahl angeht, gibt es hier in Ottensen eigentlich nur eine Adresse. Das Restaurant Schweizweit bietet nicht nur eine feine Speisekarte eidgenössischer Küche, sondern im angrenzenden Geschäft eben auch eine anständige Käsetheke. Außerdem allerlei Zubehör für alpine Kulinaristik. Zur kräftigen Mischung riet man mir mit sympathischem Zungenschlag und packte gereiften Appenzeller mit zwei weiteren Käsesorten zusammen, während ich noch im gekachelten Lädchen umherstaunte. Jetzt fallen mir die anderen Namen partout nicht mehr ein, aber die persönliche Beratung vor Ort lohnt sich hier nicht nur wegen des Dialekts. Ratschläge zum Anrühren gibt es gratis dazu und ich hätte da sicher noch stundenlang zuhören können, aber so kompliziert ist die Chose ja dann doch nicht.

Die Vorbereitungen sind überschaubar, viele Schüsselchen mit leckeren Kleinigkeiten Pflicht. Vorgedünstete, blaue Kartöffelchen statt Brot entpuppten sich hierbei als besonderer Gaumenschmaus. Auf den Tisch kommt natürlich beides, genauso wie Silberzwiebelchen, Cornichons und mit Rosmarin angebratene Champignons. Außerdem ist ein magenputzender Salat ratsam. Ich bin nach einer spätabendlichen Käseorgie schonmal mitten in der Nacht mit einem zähen Klumpen im Bauch aufgewacht, trotz abschließendem Zerhacker.

Käseraspeln in den Pott geben und über Brennpaste erhitzen, bis es blubbert. In Weißwein gelöste Kartoffelstärke dazukippen und kräftig durchrühren. Eine sämige Käsemasse entsteht. Wir hatten allerdings Crémant vom Wormeldinger Köppchen auf dem Tisch, also rein damit. Kirschwasser haben wir da rausgehalten. Echte Schweizer stippten das Brot darin eh pur vorab, hatte man mir im Laden gesteckt. Dafür raspelten wir gegen Ende den nun wirklich letzten Trüffelrest zum Käse. Ja, das kann man machen. Lecker. Gesellig ist das Ganze sowieso, auch wenn nur zwei Personen am Tisch sitzen. Zum Abschluss schmeckt ein Eau de Vie vom Chardonnay, ebenfalls von der luxemburgischen Mosel.

Gibt es womöglich wirklich so etwas wie ein Käse-High? Ich glaube schon. Schlafen werde ich heute jedenfalls wie ein Stein.

Käsefondue

Entspannter Samstag

Trist und regnerisch ist es draussen. Trotzdem wagte ich mich auf einen Pfützensprung durch Ottensens Geschäfte, denn meine Tischdecken sind allesamt und unrettbar verfleckt. Kochwäsche, Fleckensalz – ich hab alles versucht, aber man muss auch wissen wann Schluss ist. Rot-Weiß sollte es eigentlich werden, hier muss schließlich Farbe reinkommen. Kontrastprogramm, jawohl.

Die passende Größe war leider aus, aber kariert ist die neue Decke jetzt trotzdem. Also Dekokürbis drauf, Teller her und dann ratzfatz ran an den Tisch. Ricotta-Steinpilz-Panzerotti – Panzerotti aus dem Frischeregal, ich kanns kaum glauben, dass die wirklich so heißen – in etwas Trüffelbutter anbraten. Serviert auf einem Mangoldbett mit Arganöl und Parmesan – fertig ist die Laube.

À propos Bett, das hier habe ich unterwegs erstmals an einer Hauswand entdeckt. Ist sicher schon länger da und ich bin wohl huntertmal einfach achtlos vorbeigelaufen.

Ricotta-Steinpilz-Panzerotti auf Mangoldbett




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