Wie Omas Bullion

Wo hier jüngst die Omasprüche ans Tageslicht kamen, Familienfeste vor der Tür stehen und unsere sind mit den Jahren merklich kleiner geworden, da wird offenbar, dass damit auch viele Rezepte verschütt gehen können. Ich erinner mich beispielsweise an deftige Kohlrouladen, riesige Puter mit Klößen, vor allem aber an Omas berühmte Bullion, die es immer zur Vorspeise gab. Eine echte Delikatesse mit ausgekochten Rindsknochen, Gemüseeinlage, Buchstabennudeln und selbstgemachtem Eierstich. Ein Traum!

Tagelang stand sie für uns, damals eher spärliche Esser, dafür in der Küche und ohne Diskussion war an ein Sattsein nicht zu denken. Wollte man nach einem Kloß, prankenfaustgroß wohlbemerkt, die Segel streichen, konnte sie fuchsig werden. Man würde doch wohl noch einen nehmen, bestand sie. Schließlich habe sie mit Zweien gerechnet. Ließ man sich darauf ein, hatte das allerdings zur Folge, dass man beim nächsten Mal auf jeden Fall auch einen dritten Knödel nehmen musste und das Spiel wäre vermutlich unendlich weitergeführt worden. Leider hat das nie jemand bis zum Ende ausreizen können. Aß man alles auf, bedeutete das für Oma, es war zu wenig gewesen. Dem war mit Logik nicht beizukommen und eigentlich freuten wir uns auch immer klammheimlich auf dieses Getue. Genauso wie auf ihre Bullion, bei der es übrigens wenig Diskussionsbedarf gab. Ein Teller pro Kind, zwei für die Erwachsenen – darüber herrschte familiärer Konsens.

Die Bullion gab es Sommers wie Winter, aber jetzt, wo auch in Hamburg tatsächlich die ersten Schneeflocken fallen und die Stadt mit einem weißglitzernden Film überziehen, genau jetzt ist das Futter für die Seele und damit ein Volltreffer zum aktuellen Blogevent im Kochtopf. Ein paar Änderungen müssen daran leider vorgenommen werden. Die Rinderknochen fallen raus, mein vegetarischer Mitesser soll schließlich auch was davon haben. An Eierstich habe ich mich erst einmal und das mit enttäuschendem Ergebnis probiert. Den nehme ich fertig aus der Dose. Vielleicht hat ja diesbezüglich noch jemand ein gutes Rezept auf Lager?
Blog-Event LII - Soulfood - Futter für die Seele (Einsendeschluss 15. Januar 2010)
Ansonsten brauchts:

Suppengemüse
Tomatenmark
Kräuterbund
Buntes Gemüse für die Einlage – hier: Möhre, Knollensellerie, Fenchel, Weißkohl, Lauch
Sternchennudeln – das Schreiben haben wir ja inzwischen gelernt
Bratwurst für die Fleischklöße

Das grob gestückelte Suppengemüse schon einen Tag vorher mit einem Klacks Tomatenmark rundrum anrösten, Kräuterbund dazugeben, mit reichlich Wasser aufgießen und gute drei Stunden auf kleinster Flamme köcheln. Über Nacht ausgeschaltet ziehen lassen.

Am nächsten Tag das ausgekochte Gemüse abfischen und die Suppe durch ein Tuch gießend auffangen. Das fein gestückelte Frischgemüse anbraten, die Brühe angießen und aufkochen. Nebenher die Sternchennudeln in gekörnter Brühe bis kurz vor bissfest garen und zur Suppe geben. Ebenso die Bratwurst häuten und das Brät zu kleinen Klößchen gerollt zum Ende hin mitziehen lassen. Oma hätte die wohl ganz anders gemacht, aber wie genau, weiß niemand mehr von uns. Den Eierstich nur noch ganz kurz mitgaren lassen und alles zusammen heiß dampfend anrichten.

Wie Omas Bullion

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8 Antworten auf “Wie Omas Bullion”


  1. 1 Nathalie 18. Dezember 2009 um 20:10 Uhr

    Ich habe ein sehr gutes Eierstich-Rezept – muß es nur mal suchen. (Ist etwas in den Tiefen verschwunden, da ich selbst Eierstich nicht mag.) Wenn ich es habe, schicke ich es Dir.

  2. 2 lamiacucina 18. Dezember 2009 um 20:15 Uhr

    5 Sternchen hättest Du dafür auf den Tellerand legen müssen !

  3. 3 peppinella 18. Dezember 2009 um 20:40 Uhr

    ich liebe alles, was langsam köchelt. ich liebe suppe. deine (oder die von oma) sieht sehr gut aus. schmeckt auch so. ich sehe sowas.

  4. 4 Karin 19. Dezember 2009 um 12:29 Uhr

    Eine gute Suppe ist immer ein phantastischer Seelenwärmer :-)
    Ich nehme für den Eierstich ( ausreichend für einen sehr großen Topf leckerer Suppe):
    9 ganze Eier
    12 Esslöffel Milch
    1 1/2 Teelöffel Salz
    geriebene Muskatnuss nach Geschmack.

    Alle Zutaten mit dem Rührgerät gut verquirlen.
    Ein etwas höheres, hitzebeständiges Plastikgefäß ( ich nehme immer eines der bekannten Firma mit „T….“)
    mit Butter ausfetten.
    Die Eiermasse hinein füllen und mit Alufolie abdichten.
    In einen ausreichend großen Topf stellen und soweit mit Wasser auffüllen, daß es über den oberen Rand der eingefüllten Eiermasse im Plastiktopf reicht.
    Deckel auf den topf und zum Kochen bringen, dann sofort die Hitze weg nehmen und ca. 45 Minuten nur noch leise simmern lassen.
    Wenn das Wasser in der Zeit kocht, bekommt der Eierstich große Löcher und sieht nicht mehr schön aus.

  5. 5 kulinaria katastrophalia 19. Dezember 2009 um 19:12 Uhr

    Eierstich schon immer als obskures Zeugs wahrgenommen :D lieber ein Eigelb frisch in die gutte Suppe.

  6. 6 Administrator 22. Dezember 2009 um 10:58 Uhr

    @ Nathalie und Karin: Das ist toll, vielen Dank!

    @ lamiacucina und peppinella: Eigenlob stinkt, aber ihr habt natürlich Recht. ;-)

    @ kk: Das wär dann aber eher Vatterns schnelle Kraftbrühe, nicht Omas gute Bullion.

  1. 1 Herbstliches zwischen Rinderhals und Hochrippe « Schnick Schnack Schnuck Pingback am 28. Oktober 2011 um 10:54 Uhr
  2. 2 Mein erster Schwarzkohl und ein herbstliches Gartenmenue für die Kochgruppe « Schnick Schnack Schnuck Pingback am 25. Oktober 2013 um 12:06 Uhr
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