Kochgruppe, jetzt bin ich fällig

MittendrinSo sah es hier zwischenzeitlich aus: Mittendrin, statt nur dabei – gestern hatte ich meine Premiere für die 11 Leute unserer Kochgruppe. Möchte man dann auch noch halbwegs stilvoll in dieser Küche speisen, erfordert das einiges an organisatorischer Planung. Meine Auswahl fiel damit einzig und allein unter der Prämisse, dass sich alles noch vor Eintreffen der Gäste wenigstens soweit vorbereiten lässt, dass das ganz große Chaos nicht mehr zu erkennen ist. Die Rezepte sind zudem mein Abgesang auf den Winter mit Ausblick auf sonnigere Zeiten.

Heute Morgen staksel ich dann mit mulmigem Bauchgefühl an den Ort des Geschehens zurück. Draussen scheint auch wirklich die Sonne, als sei sie nie weg gewesen, doch auf dem Tisch ragen geköpfte Flaschen wie ein Mahnmal und über der Küchenzeile hängt zumindest noch der Dunst von Blut, Schweiß und Tränen. Es ist vollbracht!

Sonne Mahnmal
Blut, Schweiß und Tränen

  • Kochgruppe
  • Sowohl zur Vorspeise, als auch begleitender Beilage hatte ich meinen bewährten Tricolorisalat aus Rotkohl, Fenchel und Portulak serviert. Zunächst argwöhnisch als womöglich gesund beäugt, ging der dann doch klar durch.

    Zum Hauptgang hatte ich außerdem Spätzle vorgegart und dann kurz vorher in Olivenöl und Butter angebraten. Die nahmen mir die Wartezeit allerdings übel und blieben leider matschig. Die vegetarische Alternative der Käsespätzle kam da besser raus.

    Ochsenschwanzragout

    – das war jetzt tatsächlich der Oberknaller. Hatte ich ja selbst noch nie gemacht. Drei ganze Schwänze hatte mir mein Schlachter vorab in Stückchen zersägt, gute vier Kilo brachte das auf die Waage und wurde für 48 Stunden zusammen mit Petersilienwurzel und Stangensellerie in ein 2,5 Liter Rotweinbad gegeben. Glücklicherweise hatte ich in Anbetracht der Menge dann schon am Montag mit der weiteren Zubereitung begonnen, denn meine Töpfe stießen bei diesem Volumen deutlich an ihre Grenzen und erst in mehreren Schmorschichten konnte ich der Sache Herr werden.

    Das gut abgetropfte Fleisch mehlieren, in Schweineschmalz im Bräter rundrum anbraten und Beiseite stellen. Ebenso mit dem marinierten Gemüse verfahren, ohne Mehl, dafür aber mit einem Klacks Tomatenmark rösten. Die Marinade angießen, das Fleisch wieder einlegen, eine Dose Tomaten sowie Kräuterbünde dazu geben und aufköcheln. Das landet bei 150 Grad für 3 Stunden bei geschlossenem Deckel im Ofen. Etwas abkühlen lassen und dann vorsichtig von Knochen und Sehnen trennen. Das anhängige Fett verkocht weitestgehend von selbst. Ganz dicke Stücke besser auch abtrennen, denn darauf mögen die wenigsten rumkauen. Den Sud sowie das verkochte Gemüse durch ein Sieb passieren und die gelösten Fleischstücke wieder einlegen. Das überschüssige Fett lässt sich abgekühlt einfach oben abschöpfen. Ich hatte noch frische Streifen vom Stangensellerie zugegeben, die beim schlussendlichen Warmmachen bloß kurz gar zogen. Bei Tisch konnten sich die Gäste außerdem frischen Meerrettich nach Geschmack drüber reiben.

    Ochsenschwanzragout

    Kürbiskernölparfait

    Für den Nachtisch habe ich mich an mein erstes selbstgemachtes Eis, bzw. Parfait, gewagt und dankend Mipi`s Rezept auf die ungefähre Gästezahl hochgerechnet.

    1 Liter Sahne mit einer Prise Salz steif schlagen. Außerdem 9 Eigelb, 300 g Zucker und 9 cl gutes Kürbiskernöl schaumig rühren. Unter die Sahne gehoben, landet das dann für einige Stunden im Eisfach. Drei Stunden steht im Originalrezept, aber bei dieser Masse sollte man schon eine Nacht einrechnen. Anfänglich habe ich alle paar Stunden nochmal durchgerührt, wenn sich die Masse zu trennen drohte. Geschmeckt hat es herrlich nussig und wird es so ganz sicher und nicht nur bei mir wieder geben!

    Dazu gab es

    gebrannte Kürbiskerne,

    die ich erst vorsichtig im Ofen röstete, bis sie leicht aufgingen und knackten. In einer Pfanne nebenher braunen Zucker in Sesamöl aufkochend lösen, die gerösteten Kerne unterrühren und schnell in einer Mischung aus braunem Zucker mit Salz, Pimet d`Espelette und Garam Masala wenden. Auf einem Blech ausstreichen und auskühlen lassen, dann vorsichtig auseinander brechen. Das ist eine minutiöse Angelegenheit, bei mir leider etwas verbrannt, aber geschmacklich durchaus einen weiteren Versuch wert.

    Kürbiskernölparfait mit gebrannten Kürbiskernen

    Das Geschirr ist dank Geschirrspüler bereits wieder sauber, doch augenscheinlich hat auch diesmal wieder jemand, wenn auch stillschweigend, Federn gelassen. Ich rangel jetzt noch etwas mit meinem Kater und freue mich schon auf die Reste vom Feste.

    Sauberes Geschirr Federn

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    11 Antworten auf “Kochgruppe, jetzt bin ich fällig”


    1. 1 Suse 03. März 2010 um 14:37 Uhr

      Na, wenn das nicht ein erfolgreicher Abend war. Elf Personen zu bekochen erfordert schon eine gute Organisation sowie ausreichend Platz und Geschirr.
      Das Kürbiskernparfait will ich auch schon ganz lange mal testen. Ich hab mir kürzlich erst ein Paket mit sehr feinem Öl schicken lassen…

    2. 2 Freundin des guten Geschmacks 03. März 2010 um 15:29 Uhr

      Erstmal, die Werbung mit dem zu dicken Bauch passt herrlich zum Menü.
      Den Ochsenschwanz hatte ich kürzlich, o.K. immer lecker. Aber das Kürbiskerneis steht jetzt ganz oben bei mir auf der Liste. Das passt heute gut zum Sonnenschein.

    3. 3 ilse aus Minga 03. März 2010 um 17:42 Uhr

      Du traust dir was zu! Alles sieht super aus, und die Küche ist toll. 11 personen! ich glaube ich höre bei 4 auf, erst mal…

    4. 4 lamiacucina 03. März 2010 um 18:21 Uhr

      Demnach eine Kochgruppe nach dem System: Ein(r) kocht, die andern essen.

    5. 5 José 03. März 2010 um 21:43 Uhr

      In unserer Kochgruppe sind wir nur zu 6,
      aber das Chaos für 11 bekommen wir auch hin!
      Der Morgen danach ist immer das schlimmste!

    6. 6 tobias kocht! 04. März 2010 um 9:22 Uhr

      Ich bin froh, daß auch andere Küchen so aussehen. Wede das Foto meiner Freundin zeigen, die denkt immer es sieht nur bei mir so aus :)

    7. 7 Administrator 04. März 2010 um 14:35 Uhr

      @ Suse und Freundin d. G.: Unbedingt nachmachen, schmeckt toll. Kann ich mir auch mit dunklem Sesamöl vorstellen. Arganöl wäre mir dafür wohl zu lieb und teuer, aber durchaus denkbar.

      @ ilse und lamiacucina: Man hat allerdings stets wochenlanges Verwöhnprogramm vor Augen, da kämpft man sich auch gern mal durch.

      @ José und tobias kocht: Wo gehobelt wird, da fallen Späne! Meine Mama wollte das früher auch nie so recht einsehen..

    8. 8 kulinaria katastrophalia 08. März 2010 um 3:13 Uhr

      Ochsenschwanz ist wirklich superlecker :-) Irgendiwe kann aber ohne Stuhlbelegplan der Glaube an die Passgröße (Küche) nicht richtig mithalten :D

    9. 9 Administrator 08. März 2010 um 9:05 Uhr

      @ kk: Ich konnte das vorher auch nicht glauben, aber Platz ist eben doch in der kleinsten Hütte.

    1. 1 Wirtshausküche mit Kochgruppe « Schnick Schnack Schnuck Pingback am 23. Februar 2011 um 10:53 Uhr
    2. 2 Best of Kochgruppe 2010 « Schnick Schnack Schnuck Pingback am 06. April 2012 um 9:32 Uhr
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