Ich hatte gedacht, ich mache es mir einfach und lade die Familie zum wohl traditionellen Opferlamm am Ostersonntag. Dank Kochgruppe bin ich ja geimpft auf eben noch größere Gesellschaften, sodass meine Einladung von insgesamt sechs Personen einem Spaziergang gleich käme, vor allem in Angedenk der reichlich zur Vorbereitung frei stehenden Tage. Rechtzeitig hatte ich daher meine Keule bestellt, bereits die übrigen Einkäufe erledigt, sodass ich laut Plan schon am Samstag in die Vollen steigen konnte.
Den Gemüsesud aus allerlei Suppengrün setzte ich also bereits am Vortag auf, sodass er ausgeschaltet über Nacht durchziehen könne, jedoch vergaß ich nach letztem begeisterten Kosten, die Platte auszustellen. Morgens rief ich erst noch verzückt, wie aromatisch das jetzt schon durch die Wohnung zöge, fand jedoch auf dem Herd bloß noch bitter verkohlte Reste. Ein deutliches Zeichen vielleicht, die Sache lieber doch nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.
Fenchelsuppe
Mit verkniffenem Mund überging ich dieses Malheur und setzte schnell aus den Resten zum zweiten Versuch an: Petersilienwurzel, Sellerie, Möhren, Fenchel, Blumenkohl mit wenig Tomatenmark anrösten, ein paar Kalbsknochen zugeben, mit reichlich Wasser aufgegossen etwa eine Stunde simmern lassen. Ausstellen, wirklich jetze, und bis zuletzt durchziehen lassen. Am Ende durch ein Tuch abseihen und noch einmal mit winzigem frischem Mirepoix aufkochen. Schließlich fix gerollte Bratwurstbrätklöße sowie Eierstich darin gar ziehen lassen. Abschmecken mit Worchester- und Sojsauce sowie einem Schuss Sherry.
Getrüffelter Käferbohnensalat
Den hatte ich mir als ständige Beilage auserkoren, eben weil er auch bloß lauwarm schmeckt und das war vor allem den Vegetariern ihr Glück, denn eine halbe Stunde vor Menuebeginn fiel hier der Strom aus. Für volle drei Stunden. Nicht bloß bei uns, im ganzen Haus, sondern auch in den anliegenden Straßen. Der Supergau eigentlich für solche Pläne, aber mit Ach und Krach, bekam ich das gerade so über die Bühne. Schnell Auftischen, lautete die Devise.
Die über Nacht in Wasser gequollenen Bohnen mit gedünsteten Schalottenringen gar köcheln, abgießen und mit getrüffeltem Steinpilzpesto vermengt auf einem mit Balsamicoessig und Arganöl mariniertem Jungblattsalat aus Spinat und Mangold anrichten.
Cidre geschmurglte Lammkeule mit Artischocken an Bärlauchpolenta
Hier hatte ich mir in der Cucina Casalinga Inspiration geholt und bereits früh morgens die Keule pariert, mit einer Gewürzmischung aus diversen Pfeffer, Selleriesaat, Mönchspfeffer, Chili, Koriander, Muskatnuss, Piment, Zitronenschale und Estragon (Kurz: Code Greengras) eingerieben, mit Küchengarn umwickelt in Schweineschmalz rundrum angebraten in einen Bräter gelegt, restliche Kalbsknochen dazugegeben und mit einem Liter Cidre aufgegossen. Bei knapp eingestellten 60 Grad landet das also unter Niedergarmethode für die restlichen Stunden im Ofen. Gegen Ende kommen noch zurechtgeschnittene Artischocken dazu. Eigentlich wollte ich zuletzt dann die kraftvolle und fettige Jus abseihen, mit einem Schluck Calvados reduzieren und zur Sauce abbinden, aber ohne Strom ging das natürlich gar nicht. Wenigstens hatte mir der wärmestauende Bräter den Rest gerettet und so schmeckte es allen eben etwas rustikaler.Die anvisierte Beilage aus Polenta wollte ich gemäß Packungsbeilage im Verhältnis 1:3 in gleichen Teilen Wasser und Milch einköcheln, zuletzt gehackten Bärlauch untermengen, aber dieses saisonale Vorhaben ließ sich jetzt erst am Ostermontag zum Resteessen verwirklichen. Verfeinert mit etwas Butter, sowie einem Klacks Sahne. Schmeckt köstlich, das ist unseren Gästen leider vollends entgangen. Ebenso wie die vegetarische Alternative aus gebratenen Kräuter- und Austernseitlingen.

Zum entspannenden Abschluss gab es eine umfangreiche Käseplatte mit allem drum und dran. Ohne Strom, kein Problem. Abgesehen vom Brot, dass sich so auch nicht mehr knusprig backen ließ. Kräcker raus, fertig. Fix und Fertig.








Na das zeichnet doch die souveräne Köchin aus, dass sie selbst unter schwersten Bedingungen was feines auf den Tisch bekommt.
Und an Pfingsten gibt’s dann 7 Gänge ohne Hindernisse, oder ;o)?
Das waren aber Extrembedingungen!!
Hoffentlich wussten die Gäste das auch ausreichend zu würdigen
Da war der verkohlte Start aber ganz und gar kein böses Omen!
Superschön, Dein Menu, da hätte ich auch gern mitgegessen.
Klasse, wie Du das durchgezogen hast. Ich hätte wahrscheinlich völlig entnervt den Pizza-Service kommen lassen.
Also, dir kann man es jawohl nie recht machen. Einmal ist es zuviel Strom, dann wieder zu wenig ;o)
Ich hätte mich wahrscheinlich freiwillig einliefern lassen bei diesem (fast) unverschuldeten Malheur, aber da muss ich dir echt meinen Respekt zollen, hast das Beste draus gemacht.
Opferlamm, indeed!freiwillig einliefern kam beim Lesen auch mir in den Sinn.
Bravo zum supereleganten Menü.
Ich sags ja immer, ein Salamibrot ist energieunabhängig
Mein Respekt vor dieser Leistung. Verglichen damit war ich ziemlich faul über Ostern.
Robert nimmt mir die Worte aus dem Mund
Habe hohen Respekt vor so viel Improvisationstalent! Das Menü klingt sehr lecker!
Du Ärmste! Stromausfall zu Ostern, das ist doch unglaublich! Wahrscheinlich hast Du mit Deiner Nachtdurchkocherei das Netz zuvor leergezogen!
@ Toni: Pfingsten mach ich Blau, soviel steht jetzt schon fest!
@ sammelhamster: Das will ich wohl meinen.
@ Linda: Die Versuchung war groß.
@ Suse und Arthurs Tocher: Das Salz auf meinen Wunden macht den Kohl jetzt auch nicht mehr fett.
@ ilse: Opfer, indeed. Bekloppte Erfindung.
@ lamiacucina: Gutes kann so einfach sein, nicht?
@ Paule: Knicks, vielen Dank.
Echt der super-Gau! Ist mir auch schon mal passiert, hab mich mit dem Gartengrill gerettet. Sehr souverän durchgezogen, alle Achtung!
Toll, alle Hürden meisterhaft umschifft.
Den Käferbohnensalat nehm ich mir mal mit.