Plötzlich ist es eben doch Sommer. Wer mag bei der Hitze noch an schwere Gelage denken, geschweige denn am Herd rumlungern? Siesta auf Balkonien beschert derzeit das höchste der Gefühle. Auch die Katzen haben längst den Jagdtrieb runtergefahren und nach ersten Bienenstichen die Krallen eingezogen, einen Platz zum Dösen gefunden. Meinen Platz genau genommen.
Dabei war ich bloß kurz weg, um einen Basilikumbüschel vor der Verwesung sichernd zur erfrischenden Paste zu verarbeiten. Mit gehacktem Knoblauch, sowie reichlich Limettensaft häckseln, geriebenen Parmesan und Olivenöl unterrühren.
Da mach ich direkt weiter, koche Nudeln bis kurz vor bissfest und schmore nebenher gestückelten Fenchel mit einem Schuss Pastis in der Pfanne. Alles vermengt, mit roten Zwiebeln und der Paste, landet bis zum Sonnenuntergang im Kühlschrank.

Spätestens dann meldet sich auch der Appetit zurück.
Unsere inzwischen üppig erblühte Kleingartenoase gleicht einem Paradies, Garten Eden und der Arche in einem, wenn die Entenfamilien vom Fluss die schmalen Gassen herwatscheln, Spatzen im Gestrüpp palavern bevor Hase und Igel sich gute Nacht sagen und Schnecken beim Bierumtrunk einfallen – hier herrscht Harmonie. Beinahe unerträglich für uns räudige Städter. Wir brauchen Krach, Action, den fiesen Mob, denn ohne ein anständiges Massaker ziehen wir nicht vom Platz.
Erst ist der Rasen fällig. Den hatte ich im April bereits in einem frühlingshaftem Anfall von Wahnsinn per Hand vertikutiert. Mir nen Wolf geharkt, das Moos von fünfzig Jahren bis in alle Ewigkeiten zu vernichten und ja, das hat richtig gut getan. Mir zumindest, aber auch die grüne Wolle zeigt sich inzwischen bestens erholt in voller Pracht. Wer braucht schon englischen Rasen? Der Weg ist das Ziel. Für maximalen Output schickt man zum Mähen dann den heuschnupfenaffinen Partner ins wildkräuterdurchzogene Schlachtfeld. Adrenalin, Blut, Schweiß und Tränen, damit ackert man sich so richtig in Laune zum alljährlich am 26. Juni gemeinschaftlich zelebrierten Heckensägenmassaker. Keifende Weiber, röhrende Maschinen. Hier tobt das Leben und es ist genug für alle da.
Sesameis zum Runterkommen hat sich als Volltreffer erwiesen. 350 ml Sahne steif schlagen. 3 Eigelb mit 80 g braunem Zucker im Wasserbad schaumig rühren und 0,1 l dunkles Sesamöl untermengen. Drei Eiweiß mit einer Prise Salz zu Schnee mixen. Die Eigelbmasse mit der Sahne verrühren, zuletzt den Eischnee unterheben und alles landet für gute drei Stunden im Eisfach. Zunächst alle 10 Minuten nochmal durchspachteln und nach hinten raus etwa im Halbstundentakt. Eine Übung in Demut, aber das ist es wert, wenn man sich nicht mit noch einer Maschine herumärgern will.


Fußballerisch dürfen sie den Titel auf die Weltherrschaft zwar bereits in der Vorrunde abgeben und das Spiel hatte ich bei dem derzeitigen Kaiserwetter keines Blickes gewürdigt, aber anscheinend sind massig Tore gefallen, was ich der Mannschaft schließlich doch zugutehalten möchte. Die Schwalben pfeifen es von den Dächern, heute ist genau der richtige Tag, sich diesem Rezept aus Lindas Bistro anzunehmen: Mozzarellagefüllte Auberginenröllchen auf Tomatenragout.
Solche Tomatensugo zimmer ich meist aus dem Handgelenk und mit was auch immer die Küche hergibt. Diesmal angedünstete Schalotten, endlich wieder frische Tomaten, etwas Mark, gehackte Oliven, wenig Knoblauch, aber einen guten Schuss Balsamicoessig. Das darf schon eine Weile leise simmern.
Derweil dünne Scheiben von der Aubergine erst in Mehl, verschlagenem Ei, zuletzt in Panko wenden und in nicht zu heißem Öl beidseitig goldbraun braten. Danach auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Großzügig Stifte vom Büffelmozzarella in den Scheiben aufrollen, zusammengesteckt in eine vorgeheizte Auflaufform geben und mit der Tomatensauce umklecksen. Salzen, pfeffern und Piment d`Espelette dazu. Das landet nochmal für etwa 15 Minuten im vorgeheiztem Ofen, bis der Mozzarella gerade zerläuft. Mit gehacktem Basilikum bestreut servieren. Fertig, lecker, ciao!
