Strudelnd ins G`schmor

Pfifferlingsstrudel mit SenfschmorgurkenWie? Wat is dat denn? Das hab ich nicht bestellt! Eine knubbelige Riesengurke sah mich aus tausend basedowschen Augen nicht gerade aufreizend an, nachdem sie warum auch immer ihren Weg über die wöchentliche Gemüsekiste in unsere Küche gefunden hatte. Da lag sie nun, breit und bräsig. Auf die Idee, sowas in ein Rezept zu verwandeln wäre ich wohl allein nicht gekommen, hatte ich dieses Gemüse, wenn es überhaupt eines ist, doch immer mit Mangelplanwirtschaft und Kriegsküche in Verbindung gebracht. Eine kleine Recherche ergab dann auch zumindest derart Richtungweisendes, wird die Frucht bei Wikipedia schließlich als Panzerbeere betitelt. Mein vegetarischer Mitesser verwies sogleich stolzgeschwellt auf die deftige Küche seiner Oma: Alte Schule, die sind lecker! Da habe ich tatsächlich mal was verpasst und kann rückblickend sagen: Kein Wunder. Die Essen bei meiner Oma erinner ich zum guten Sonntagsbraten oder gleich an Feiertagen, da gab es sowas nicht. Kartoffeln, Wirsing, dicke Bohnen sowie immer wieder Mehlschwitze, das geht alles noch in die Richtung und wurde auch von meiner Mama aufgegriffen, aber die ist allergisch gegen Gurken. Sagt sie immer.

Schmorgurken Etwas altbacken darf ich mich dem darum annehmen – Mehlschwitze und Senf gehen gleich mal klar. Die grüne Minna halbieren, das Kerngehäuse aushöhlen, den Rest gestückelt in guter Butter andünsten. Klacks Estragonsenf dazu, großzügig mit Mehl bestäuben, mit einem Schuss Weißwein ablöschen, Gemüsebrühe angießen. Etwa zehn Minuten bei mittlerer Hitze schmoren. Zuletzt etwas Sauerrahm unterrühren und nochmal schön andicken lassen. Kann man machen. Lecker Beilage, aber das kann noch nicht alles gewesen sein.

Filoteig nimmt sich dagegen zwar als neumodischer Firlefanz aus, doch mit Schmalz gebratenen Pfifferlingen und Semmelbröseln zum Strudel gerollt, dann zehn Minuten im Ofen knusprig gebacken, aufgeschnitten zum G`schmor angerichtet, lande ich ganz fix bei moderner Trutschigkeit par excellence. Pfifferlingsstrudel mit Senfschmorgurken. Geil! Omas alte Krause verbleibt heutzutage nur noch zu Dekozwecken, schlussendlich gibts gehackte, glatte Petersilie drüber.

Pfifferlingsstrudel mit Senfschmorgurken

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10 Antworten auf “Strudelnd ins G`schmor”


  1. 1 Freundin des guten Geschmacks 22. Juli 2010 um 11:59 Uhr

    Die geschmorte Gurke gefällt mir besonders. Aber das kleine Strudelchen, auch nicht schlecht.

  2. 2 lamiacucina 22. Juli 2010 um 13:26 Uhr

    Ich nehm Beides. Weder Pilzstrudel noch Schmorgurken sind mir bis dato begegnet.

  3. 3 Linda 22. Juli 2010 um 20:37 Uhr

    Absolut genial Deine Schmorgurken mit dem Pfifferlingsstrudel. Ich bin immer wieder überrascht, wieviele verschiedene Leckereien mit nahezu gleichen Grundzutaten gekocht werden können.

  4. 4 ilse aus Minga 22. Juli 2010 um 21:15 Uhr

    das mit den sich biegenden Marktständen find ich auch wunderbar, und was du hier geschmort und gestrudelt hast, gefällt mir sehr.

  5. 5 Suse 23. Juli 2010 um 7:21 Uhr

    An Lindas aktuellen Post hab ich auch gleich gedacht, als ich das las.
    Schön, das derzeit überall geschmorgurkt wird…und dass es nach Omas Rezepten erfolgt, find ich überhaupt gar nicht schlimm…im Gegenteil!

  6. 6 kulinaria katastrophalia 23. Juli 2010 um 15:18 Uhr

    Und was hätte die Oma dazu gesagt? :D

  7. 7 berlin catering fingerfood 23. Juli 2010 um 15:34 Uhr

    Schmorgurke ist mir neu. Viel besser klingt für mich aber der Pfifferlingstrudel. Den mach ich aufjedenfall nach. Ich liebe Pfifferlinge und knusprige Sachen. Für mich also eine gelungene Mischung. Danke dafür…

  8. 8 tobias kocht! 24. Juli 2010 um 9:55 Uhr

    Mir fehlen leider die Pilze. Tolles Rezept.

  9. 9 Mestolo 26. Juli 2010 um 10:48 Uhr

    „Eine knubbelige Riesengurke mit tausend basedowschen Augen“ *lach* Ich halt’s wie Robert und nehm‘ beides.

  10. 10 Schnick Schnack Schnuck 27. Juli 2010 um 8:05 Uhr

    @ Freundin dgG und BCF: Das ist kein Wunschkonzert, sondern ein Ensemble.

    @ lamiacucina und Mestolo: So ists brav. ;-)

    @ Linda: Das machts doch auch immer wieder spannend.

    @ ilse: Etwas schwülstig, aber gut.

    @ Suse: Erinnerungen triggern das Geschmacksempfinden.

    @ kk: Kehr, ihr seid Clowns.

    @ tobias kocht: Das gibts doch gar nicht? Nichtmal Ersatz in Sicht? Pilze wachsen doch an den unmöglichsten Plätzen.

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