Schlemmersommer im WA-YO

Seit 12. Juni bis 15. August lockt der Hamburger Schlemmersommer in vielen Restaurants, die Küche mit einem Menue von 59 Euro für zwei Personen kennenzulernen. Letztes Jahr haben uns die Sterneköche vom Süllberg, besonders aber dem Piment beinahe vom Hocker gehauen und wenn es immer auch Kritikpunkte gab, ist das durchaus als Mäkeln auf hohem Niveau zu verstehen, denn die Präsentation war erstklassik.

Traditioneller SakebecherJetzt wünschte sich mein halbvegetarischer Mitesser eine Fortsetzung, irgendwas mit Reis natürlich, Fisch auch gern, asiatisch also und dieses WA-YO im Nippon Hotel stand bereits seit Eröffnung auf unserer Liste, schien genau seinen Nerv zu treffen. Die Terrasse auf Kiesbett liegt leider direkt am vielbefahrenen Hofweg und so entschlossen wir uns auch mit Blick auf wechselhaftes Wetter für einen Platz im nicht viel größeren Innenraum. Typisch schlichte, moderne japanische Einrichtung mit dezenten Kunstwerken aus Malerei und Floristik prägen die Szenerie.

Wir waren früh dran, hatten sicherheitshalber reserviert, und neben uns nahmen im Laufe der Zeit bloß zwei weitere Gesellschaften Ihre Tische ein. Damit bemühten sich gleich meherere Kellenerinnen sowie ein Sommelier um uns. Leider waren aus der umfangreichen Weinkarte, trotz mehrseitiger Sakeauswahl, vor Ort bloß noch zwei im Angebot. Wir könnten den höherwertigen Reiswein gern mit einem kleinen Glas vorab probieren, der schmeckte und so orderten wir gleich für jeden einen Masu davon. Am Ende berechnete man uns beides, ok, aber kein guter Stil. Der Preis für einen dieser traditionellen Sakebecher vom verträumten Poeten lag etwa bei dem einer durchschnittlichen Flasche Wein von 23 Euro, auch darüber hätte man uns doch lieber im Voraus informieren sollen.

Das klassisch japanische Menue besteht aus vier Gängen. Der hier bekannte Gruß aus der Küche schien mir bereits als handwerkliches Highlight: Würziger Thunfischtatar auf Algensalat und Spinatröllchen mit Huhn sowie fruchtigem Saucenspiegel. Etwas fürs Auge und beides fein abgeschmeckt.

Die folgende Sushivariation war leider Standardware, tolle Produkte zwar, besonders der Thunfisch ganz großartig, aber keinerlei Überraschung in der Auswahl. Lachs, Thunfisch, Garnele. Das wars. Langweilig.

Vorspeise Sushi

Zum Hauptgang stand Lamm im Kräutermantel auf dem Programm. Mein Mitesser bekam als fischige Alternative schon wieder Thunfisch, kurzgebraten diesmal. Sah toll aus. Beides auf den Punkt gegart, das Lamm anscheinend gedünstet, geschmacklich leider ziemlich verwässert und selbst der Kräutermantel schien fade Panade. Alles in allem also auch eher mau.

Abschließendes Highlight, und das heißt schon was, wenn ich bloß dem Gruß wie Dessert diese Ehre erweise, frittiertes Matchaeis und ein schlussendlich spannender Sakeschaum mit Ei.

Lamm Frittiertes Eis

Die Karte selbst hat wohl Besonderheiten zu bieten, mit diesem Schlemmermenue hat sich das Restaurant uns jedoch in enttäuschender Ödness präsentiert. Die in Variation, Kulanz und Preisangabe schlicht mangelhaft geprägten Getränke konnten diesen Eindruck nur verstärken. Wir hatten uns mehr erhofft.

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4 Antworten auf “Schlemmersommer im WA-YO”


  1. 1 lamiacucina 28. Juli 2010 um 13:55 Uhr

    mit diesen Sommerfüllangeboten habe ich hier auch schon weniger gute Erfahrungen gemacht. Letztlich sind sie ein Spiegel für das Leistungsvermögen des Hauses.

  2. 2 Suse 28. Juli 2010 um 16:06 Uhr

    Oh menno, ich hab mich da zu einem Kochkurs angemeldet -war ein Geschenk.
    Nun freu ich mich um so weniger drauf…einziger Hoffnungsschimmer ist das Thema: „Die Faszination der Vorspeisen“ denn das Amuse war ja nach deiner Aussage das Highlight des Menüs.

  3. 3 ilse aus Minga 28. Juli 2010 um 22:24 Uhr

    bestätigt leider all meine kleinstädtischen Vorurteile gegen stinkfeine Lokale!

  4. 4 Schnick Schnack Schnuck 29. Juli 2010 um 8:51 Uhr

    @ lamiacucina: Spiegel, ganz genau. Das hat hier nicht im Sinne des Erfinders funktioniert. Wir haben damit aber ansonsten richtig gute Erfahrungen gemacht.

    @ Suse: Oh weh, die hatte ich auch schon immer mal im Auge. Da kann das natürlich ganz anders ablaufen und das Thema scheint gut gewählt. Ich warte jetzt lieber erst deinen Bericht dazu ab.

    @ ilse: Ach, wenns doch wenigstens das gewesen wäre.

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