Die Basse-Normandie

Über den Pont de Normandie fahren wir in die untere Normandie ein. Diese Brücke, die die Seinemündung zwischen Haute-Normandie und Basse-Normandie überspannt ist ein Triumph moderner Baukunst, den man uns hier 5 Euro Mautgebühr kosten lässt. Bei Fertigstellung 1995 war diese – mit 2141m – die längste Schrägseilbrücke der Welt.

Pont de Normandie

Typisch für das folgende Departement Calvados sind Kühe und Käse, besonders Camembert, sowie Cidre und eben Cavados. Dieser kräftige Schnaps mit Apfelgeschmack ist zum Inbegriff für die Normandie geworden und wird auch als Trou de Normanne, Normannisches Loch, bezeichnet.

Die sanfte Küstenlandschaft der anliegenden Cote Fleurie zwischen den Mündungen der Orne und Seine ist eine Sandküste mit reizvollen, aber stark erschlossenen Badeorten. Wir schlagen unser Lager in Honfleur auf und erholen uns bei einem der unglaublich günstigen Mittagsmenues am Hafen.

Hotel Muscheln und Fritten

Im Gassengewirr um den malerischen alten Hafen stehen noch Holz-und Steinbauten aus der Blütezeit der Stadt. Für den wachsenden Seehandel ließ Colbert, ein Minister Ludwig XIV., einen geschützten Hafen anlegen – heute das Vieux Bassin –, der 1684 fertiggestellt wurde. Südöstlich davon erstreckt sich das Herz der Altstadt, das man Enclos nennt, da es von einer Festungsmauer umschlossen ist. Doch als das Zeitalter des Seehandels für Frankreich zu Ende ging, da England die Vorherrschaft auf den Meeren übernahm, verlor Honfleur an Bedeutung, größere Bauprojekte unterblieben und die Stadt konnte daher weitgehend den Zustand ihrer Blütezeit erhalten. Eine perfekte Fotokulisse. Auch wenn dieser Hafen wie eine nostalgische Filmkulisse aussieht, so war das Vieux Bassin doch einst ein wichtiger Umschlagplatz für Waren. Das einzige, was hier heute noch abgeladen wird, sind Tabletts mit Getränken, die eifrige Kellner vor den schlanken Häusern aus dem 16. und 18. Jahrhundert am Quai Ste-Catharine servieren.

Häuser am Hafen Vieux Bassin

Das benachbarte Deauville könnte kaum eleganter herausgeputzt sein. Mit seinen Designerboutiquen, einem vornehmen Casino, einer Rennbahn und dem alljährlichen Festival of American Film ist diese Stadt ein absoluter Luxusbadeort und ein beliebter Treff von High-Society-Shoppern, Glücksspielern und Filmstars. 1913 eröffnete Coco Chanel ihre erste Boutique. Ihre Kundschaft war die Modebwusste Gesellschaft, die sich vor dem ersten Weltkrieg in ihre Zweitwohnsitze zurückzog.

Villa

Die ganzen Zwanziger- und Dreißigerjahre hindurch erstrahlte Deauville im Glanz von Hochadel, reichen Industriellen und prominenten Politikern wie z.B.Winston Churchill. Veranstaltungen rund um Pferde, Polo und Filme locken die höchsten Schichten der Pariser Gesellschaft, die Deauville auch das 21. Arrondissement von Paris nennen. Wir essen hier großartige Eiskreationen bei Martin Lambert, promenieren durch die stattlichen Hotels und entlang der weiten Strandwege, während sich betagtere Urlauber in den Pompeiischen Badeanlagen verschanzen.

Eis Eisboutique
Hotel Le Normandy Barrière Pomeiische Badeanlagen

Die auch als Cote de Nacre, Perlmuttküste, bekannte, 80 km lange Sandküste war Schauplatz der größten Militäroperation der Geschichte mit dem Decknamen „Operation Overlord“, besser bekannt unter dem Namen „D-Day“. Am frühen Morgen des 6. Juni 1944 trafen hier ganze Geschwader von Landungsbooten auf die Küste. Sie gehörten zu einer Flotte von 7000 Schiffen. Auf die Landung der Alliierten folgte die Schlacht um die Normandie und danach die Befreiung Europas von der Naziherrschaft.

Batterie-De-Longues 152-mm-Geschütz

Die riesigen 152-mm-Geschütze der Deutschen an der Küste bei Longues-sur-Mer hatten eine Reichweite von 20 km. Ein halbes Jahrhundert später stehen die Giganten immer noch in ihren gewaltigen Betonstellungen.

Geschütz Betonstellung

Das Departement Manche, im westlichen Teil der Normandie, liegt auf drei Seiten vom Ärmelkanal umspült. Der größte Teil der Küste ist wild und unerschlossen, eignet sich also wunderbar für einsame Spaziergänge auf windigen Klippen über dem rauschenden Meer.

Le Hague

Die wilde Landschaft der Halbinsel Le Hague im nordwestlichen Zipfel der Normandie wird oft mit Irland verglichen. Grüne, von Steinwällen eingezäunte Weiden, reichen bis an die Klippen, unter denen das eisblaue Meer einsame Buchten umspült. Die Straße endet in Gourny, einem winzigen Dörfchen, das sich hinter einem kleinen Hafen versteckt. Der Raz Blanchard, einer der stärksten und gefährlichsten Ströme der Welt, fließt hier entlang und ein 150 m hoher Leuchtturm, 1837 errichtet, hält auf einer felsigen Landzunge Wache.

Mann und Meer Landübergang
Seetang Schiff

Das Wahrzeichen der Normandie, der Mont-St-Michel, ist zweifellos eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Nordfrankreichs. Die kleine Insel, auf der sich die von Befestigungs- und Schutzwällen umgebende Stiftskirche befindet, ist durch einen Damm mit dem Festland verbunden und zählt heute zum Unesco-Weltkulturerbe. Der Legende nach wurde die Abtei im 8. Jahrhundert von Aubert, dem Bischof von Avranches, gegründet, nachdem ihm der Erzengel Michael in einem Traum erschienen war. An der hinführenden Hauptstraße reihen sich heute Restaurant, Hotels und kitschige Souvenierläden, sodass wir uns mit einem Foto aus der Distanz begnügen.

Mont-St-Michel

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11 Antworten auf “Die Basse-Normandie”


  1. 1 Bolli\ 04. Oktober 2010 um 11:41 Uhr

    hab ich nicht gesagt, Martine Lambert…..super lecker, nicht? Habt Ihr das Weinbergsorbert probiert?

  2. 2 nina 04. Oktober 2010 um 15:13 Uhr

    Ach, ist das da schön! ich beneide Euch!

  3. 3 Suse 04. Oktober 2010 um 17:27 Uhr

    Willkommen zurück!!!
    Da hattet ihr wirklich einen schönen Urlaub…soweit man das nach den Fotos beurteilen kann.
    Da würde ich auch gern mal hin.

  4. 4 lamiacucina 04. Oktober 2010 um 17:48 Uhr

    Danke fürs Mitnehmen und die konzise geschichtliche Zusammenfassung.

  5. 5 Schnick Schnack Schnuck 05. Oktober 2010 um 14:56 Uhr

    @ Bolli: Ne, Sorbet gibts nur zum Essen. Wenn ich Eisessen gehe, will ich was sahniges. Wir hatten jeder zwei Kugel, alles unterschiedlich. Das beste hatte ich Monsieur ausgewählt: Tee mit dieser Zitronenfrucht, ich komm grad nicht auf den Namen. Ich hatte Karamell mit gesalzener Butter und Honigmandel. Ich hätte mich am liebsten durch alles duchprobiert, aber das waren ja dann doch auch Boutiquenpreise.

    @ nina und Suse: Da gibt es wirklich schöne Ecken.

    @ lamiacucina: Immer gern!

  6. 6 ilse aus Minga 07. Oktober 2010 um 16:56 Uhr

    schwelg!!! auch nett euch beiden beim Essen zuzusehen ;-)

  7. 7 Katja 19. Oktober 2010 um 12:13 Uhr

    Sehr schöner Urlaubsblog mit netten Fotos. Hört sich an als hätten Ihre einen schönen und erlebnissreichen Urlaub gehabt;-)

  8. 8 kulinaria katastrophalia 19. Oktober 2010 um 18:47 Uhr

    So eine Tourikitschstraße gehört aber erklettert, dann ist auch der rest des Urlaubs umso schöner ;D

  9. 9 Schnick Schnack Schnuck 21. Oktober 2010 um 19:17 Uhr

    @ ilse: Geteiltes Leid ist schließlich halbes Leid. ;-)

    @ kk: Ich werde umgehend eine Eingabe tätigen.

  10. 10 Schnick Schnack Schnuck 03. November 2010 um 7:30 Uhr

    ..ha, Begamotte wars. Eis aus Tee und Bergamotte. Der Hit!

  1. 1 Bretagne: Austernessen in Cancale « Schnick Schnack Schnuck Pingback am 30. September 2012 um 17:03 Uhr
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