Rouladen – Der Braten des kleinen Mannes

Ich bin ja immer ein wenig neidisch, wenn mir Berichte vom guten Sonntagsbraten das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen, denn in unserem halbvegetarischen Zwei-Personen-Haushalt ist damit einfach kein Blumenpott zu gewinnen. Es lohnte sich schlichtweg nicht, für mich alleine so ein gutes Stück einzuschmurgeln, dabei ist sowas jawohl Soulfood pur. Völlig darauf verzichten mag ich jedoch nicht und an Tagen, an denen mir so feierlich blümerant um die Magengegend wird, gibt es statt dessen eben Rouladen, den Braten des kleinen Mannes, will ich das mal nennen.

Rouladenfüllung Gefüllte Rouladen

Geklöppelte Fleischscheiben aus der Rinderkeule dick mit Dijon-Senf bestreichen, Schalottenscheiben, Cornichonstifte sowie Bauchspeckstücken einlegen und fingerfertig aufrollen. Mit der Omma ihr seine Rouladenpieker feststecken, welche sie uns mit dem Gartenhäuschen zusammen überlassen hat und die im Vergleich zum daumendicken Zahnstocher oder fummeliger Knüpftechnik mit Küchengarn immer noch den besten Halt geben. Mehliert brate ich die diesmal in Schweineschmalz. Kurz beiseite gelegt, lassen sich die Bratreste im Topf mit einem viertel Liter Rotwein lösen und der Einfachhheit halber ein Glas Kalbsfond angießen. Die Rouladen schmoren darin knapp drei Stunden auf kleiner bis mittlerer Flamme.

Rouladen schmoren Rouladen

Den Kalbsfond würde ich nächstes Mal meiden, weil die Konzentration trotz Rotweinverdünnung doch bereits so extrem anzieht, dass ich den Sud später erst einmal mit reichlich Wasser aufmischen muss. Ein purers Salzbad hatte sich da nämlich entwickelt, obwohl ich noch gar kein Salz dazugegeben hatte. Für eine verträgliche Sauce schöpfe ich also erstmal ein paar Kellen ab und strecke die mit der gleichen Menge Wasser, dann wiederum auf etwa ein Drittel einkochen lassen. Ein Stück dunkle Schokolade einschmelzen und schließlich mit eisgekühler Butter zur Sauce montieren. Ja, dann gehts. Sehr gut sogar.

Von Rotkohl und Thüringer Klößen begleitet, langte das für mich satte drei Tage. Streng genommen lohnte sich bei solchen Portionen dann wohl doch mal ein Braten?!

Rouladen mit Rotkohl und thüringischen Klößen

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9 Antworten auf “Rouladen – Der Braten des kleinen Mannes”


  1. 1 Susa 30. November 2010 um 14:17 Uhr

    Das Problem des zu kleinen Haushaltes für große Braten kenne ich und meine Lösung heißt „einfrieren“. Ich koche in Ruhe, wenn mir danach ist und Sonntags wird das häppchenweise aufgetaut. Isst denn Dein Mitesser Klöße, Rotkohl und Soße mit?

  2. 2 Toni 30. November 2010 um 14:32 Uhr

    Ich würde auch zu einfrieren raten. Rouladen mach ich auch immer gleich in rauen Mengen und frier sie dann ein. Wenn man dann mal Sonntags spät und hungrig heimkommt ist die Freude jedesmal groß.

  3. 3 Schnick Schnack Schnuck 01. Dezember 2010 um 6:40 Uhr

    Ok, ihr habt mich überzeugt. Irgendwelche Tipps zu dem perfekten Bratenstücks für Singlebratenesser?

    Klöße und Rotkohl werden natürlich geteilt und die Sauce hat er sogar, wenn auch spitzmündig, zumindest einmal probiert.

  4. 4 Freundin des guten Geschmacks 01. Dezember 2010 um 17:25 Uhr

    Rouladen sind wohl überall beliebt. Deine sehen schön saftig aus.
    Zu dem Salzbad möchte ich Dir einen Tipp geben. Senf ist oft mit sehr viel Salz angerührt. Ich mache selber Senf, da wundere ich mich immer über die angegebene Salzmenge in den Rezepten.
    Da Du viel Senf verwendet hast, ist es zu salzig geworden.
    Der Senfgeschmack, den Du zu Rouladen haben möchtest, setzt sich aus Essig und Senfpulver oder Senfkörnern zusammen. Also, ruhig weniger Senf nehmen und ggf. mit Essig (dosiert) nachwürzen.

  5. 5 Schnick Schnack Schnuck 01. Dezember 2010 um 17:28 Uhr

    Ah, sehr guter Tipp!

  6. 6 Gourmet-Büdchen 01. Dezember 2010 um 19:44 Uhr

    ich mache auch immer einen ganzen Schwung von den leckeren Rollen und gebe sie dann aber in Weck-Gläser. Koche sie bei 100°C anschließend ein. Das funktioniert auch mit Braten in Scheiben geschnitten mit Soße. Darf nur keine Sahne oder Stärke an der Soße sein, sonst gehen die Gläser auf.
    Das Einkochen hat den Vorteil, dass die Gefriertruhe nicht immer gleich so schnell voll ist.

  7. 7 Schnick Schnack Schnuck 03. Dezember 2010 um 7:01 Uhr

    Das wird ja immer besser hier, ich bin entzückt!

  8. 8 kulinaria katastrophalia 06. Dezember 2010 um 16:12 Uhr

    Pferderouladen — ich sach nur Pferderouladen, bessere gibt es nicht!

  1. 1 Schwein gehabt! « Schnick Schnack Schnuck Pingback am 07. Dezember 2010 um 6:19 Uhr
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