Das Essen, wo bleibt das Essen? Klar, wir futtern uns nach Lust und Laune durch London, das ist immerhin ein Kinderspiel. An jeder Ecke findet man einen Imbiss, Snack Bars, Pubs und Restaurants und obwohl die Engländer augenscheinlich echte Schnellesser zu sein scheinen, nach dem Essen umgehend das jeweilige Etablissement verlassen und ledglich rund um die Pubs in aller Herzensruhe, dafür schon zur Mittagszeit, über einigen Pints in Palavern geraten, kommt uns als Durchreisenden diese Fast Food Kultur sehr gelegen.
Wir beginnen die Tage standesgemäß mit Breakfast Tea im Bett – die Aufstellung einer kleinen Kocherecke mit allen Zutaten auf dem Hotelzimmer ist wirklich eine gute Einrichtung. Dazu gibts Knabbereien, verschiedene Kräcker liegen aus, mal halten wir knusprige Parmesanstangen aus dem Supermarkt bereit oder diese köstlichen kleinen Cupcakes aus einer Backboutique am Covent Garden.

Dann erst gehts raus auf die Straße, doch weil unsere Tagestickets für die U-Bahn erst ab 9:30 Uhr gelten, bleibt immer noch Zeit für ein zweites, ordentliches Frühstück. Porridge mit Ahornsirup oder Beerentopping – Haferschleim hab ich ja noch aus der Frühstücksküche meiner Oma in guter Erinnerung – der Mitesser hält sich lieber an Sandwiches und am letzten Morgen hauen wir uns tatsächlich noch ein Full English Breakfast zwischen die Rippen.

Hat man die Ein- und Ausfallpläne der Circle- und Districtline erst einmal verinnerlicht und die eigenen Routenpläne angepasst, beginnt der Run auf alles Sehenswerte, was sich in den knappen vier Tagen so unterbringen lässt. Eine grobe Richtung behalten wir dabei zwar stets im Hinterkopf, doch entdeckt man auf streunenden Umwegen die ungewöhnlichen Details und versteckte Ecken machen so einen Trip schließlich erst zu einem wirklichen Erlebnis.
Unterwegs gibts was auf die Hand, einmal entdecken wir sogar einen dieser traditionellen Sandwichläden, wo ein älteres Paar liebevoll alle Zutaten und Beilagen angerührt und in der Verkaufstheke ausgebreitet hat. Da zeigt man dann fix da, da, da, wählt aus unterschiedlichen Brot- und Backwaren das begehrte drumherum und zieht wunschlos glücklich von dannen. Die findet man in London allerdings nur noch selten. Inzwischen dominieren die Ketten, doch auch die haben ein ansehliches Programm, das sich durchaus aus traditionellen Wurzeln speist. Dazu zählt unbedingt der Braten in allen Variationen. Bei Fuzzy`s Grub sieht man Braten vom Rind, Lamm, Schwein, und diversen Geflügel, dazu Stuffings, gestampfte wie Bratkartoffeln, Erbsen, Karotten und reichlich dunkelbraune Gravy – eben alles, was zu einem guten Braten dazu gehört. Zum Mitnehmen. Nicht im dreitellerigen Gedeck, sondern als Full Roast in a Sandwich. Genial!

Und dann die Märkte! Davon gibt es in so einer Metropole ja einige, aber geschafft haben wir diesmal bloß den Borough Market und das ist stark untertrieben, denn vielmehr hat der uns geschafft. Pilze, Obst, Gemüse, Fisch, Saftbars, Kuchen, Brot, Oliven, Fleisch, Austern – ja, schon wieder Austern – Süßes sowie dekorative Beilagen. Food Porn at its Best, you are here!







Alles Käse? Von wegen. Den gibt es auf dem Markt zwar auch aus aller Herren Länder, aber wir jagen nach echtem, britischen Käse, den Guten, den die ja wider aller Unkenrufe sehr wohl haben und die wohl beste Auswahl bietet die Käseboutique Neal`s Yard Dairy, direkt ums Eck. Hier kann man sich blindlings voran der Nase nach Richtung Theke drängeln und vor Begeisterung juchzend nach Habenwollen winken, doch für die Bestellung stellt man sich besser hinten an, denn der Andrang ist groß und die Schlange lang. Das Warten lohnt sich. Jeder Kunde bekommt einen Berater vorweg gestellt, der zwar dem Gewünschten gern nachkommt, jedoch vor allem auch Alternativen zum Vergleich vorstellt und das in Form köstlicher Kostproben, von denen sich der Gute jedesmal selbst ein Scheibchen zwischen die Kiefer schiebt. Ein Traumjob, da bin ich mir beinah sicher.

Nach solcherlei kulinarischen Eskapaden passt später am Tag nicht mehr viel rein. Eine typisch englische Tea Time wollen wir uns trotzdem nicht entgehen lassen und dazu gehören schließlich ein paar Fingersandwiches ohne Kruste, etwas Gebäck. Scones und Clotted Cream, ja, doch die volle Etagere hätten wir schlichtweg nicht geschafft. Bei schummriger Atmosphäre wirkt so eine Teestunde durchaus belebend und macht fit für den Abend.
Mit Sushi ohne zeigenswerte Fotos, zum Beispiel, in einem Laden ohne Alkohollizenz. Da mögen die ringsum ausgestellten Sakeflaschen zunächst irreführen, obschon das blumig aufquellende Teebömbchen darüber hinwegzutrösten weiß. Lili Fairy nennt sich dieser dolle Teeeffekt, gegen den jeder Beutel einpacken kann.

Ihr seht, ich gerate wieder ins Schwärmen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass nach oben hin noch Platz im Magen ist und auf dem Weg zu unseren Hotel liegt ein Noodle Oodle so strategisch günstig, dass es bei einem Blick in die chinesische Nudelmacherei zur Fensterfrond schnell um uns geschehen ist und dann liegen da auch noch Dim Sum.


Die Dim Sum sind gut, würzig und lecker. Gekommen sind wir aber wegen der Nudeln. Diverse Gerichte stehen auf der Karte, weitere in einem hängenden Bestellcomputer zu Tisch, doch auf herkömliche Nachfrage in einer durch hilfloses Heranwinken upgegradeten Face-to-Face-Kommunikation mit der heraneilenden Kellnerin, die unsere Bestellung wie erwartet in ebenwertiger Echtzeit abzufertigen versteht, kommt heraus, dass als vegetarische Alternative nur gebratene Udon-Nudeln mit Pilzgemüse zur Auswahl steht. Enter, und out.

Cheers!








Die Käseboutiquen rauben das letzte Bargeld aus den Taschen, gell
schöne Auswahl, sogar Morcheln.
@ kk: Für Käse verklopp ich mein Sparschwein.
@ lamiacucina: Allet da.