Grand Ballon – Der Angstgegner

I‘ve learned that everyone wants to live on top of the mountain, but all the happiness and growth occurs while you‘re climbing it.
[Andy Rooney]

Abendpanorama am Grand Ballon

Wie Recht Rooney haben würde, ahne ich nicht ansatzweise, als wir zum Abend hin am Grand Ballon ankommen. Lac Noir, Blanc und Verts hatten wir längst hinter uns gelassen, waren den Col de la Schlucht mit atemberaubenden Ausblicken entlang geschlittert und schließlich der Route des Crètes bis hierher gefolgt. Der Grand Ballon erstreckt sich unmittelbar zu unseren Füßen und ähnelt aus dieser Perspektive nicht eben jenem Angstgegner, vor dem man uns gewarnt hatte. Anstelle dichten Nebels und zugiger Winde, legt sich ein mildes Abendrot über den Altweibersommer bis in die buntblättrigen Täler hinab. Mein Mitreisender und ich beziehen ein funktionales Zimmer in der Auberge am Berg und trotten zum Abendessen in die hölzerne Stube dieses Etablissements, das aus der Ferne noch als Bates Motel erschien. Statt blutrünstiger Geschichten führt uns der Herr des Hauses in einer Scharade das kommende Menue vor Augen, zum Hauptgang Rehragout von springenden Tierchen hier aus den Wäldern. Mit Pilzen.

Rehragout mit Bergpilzen Sonnenuntergang am Grand Ballon
Aufstehen mit den Hühnern Ferme du Haag

Mit den Hühnern stehen wir morgens auf, frühstücken und wandern an der talwärts liegenden Ferme du Haag in die Wälder. Den Gipfel im Rücken.

Aufblick zum Grand Ballon

Auf den Spuren unseres Abendessens kommen wir in luftiger Wanderslust kaum an springenden Hausherren oder Rehen vorbei. Dafür sprießen die Pilze noch reichlich, als wir uns den tiefliegenden Feuchtgebieten des nächsten Sees näheren. Zum Lac du Ballon ist es ein Spaziergang.

Wanderlust Pilz 1
Pilz 2

Pilz 3 Psylos
Seeblick See im Blick

Beinahe ereilt einen schon schlechtes Gewissen, will man an diesem Ort Rast einlegen. Bis auf den obligatorischen Fliegenfischer ist es um den See dieser Zeit menschenleer, obwohl jeder total unsportlich per Auto ranfahren könnte. Trotzdem lassen wir uns ein Picknick nicht entgehen und wenn schließlich doch ein paar Fußkranke aus ihren Wagen steigen, mimen wir für die Postkartenidylle auch gern jene erschöpften Wandersleutz, die hier zu erwarten wären.

Lac du Ballon

Überheblich nehmen wir noch einen Umweg zu den Wasserfällchen in Kauf, verlaufen uns beim Anstieg zurück jedoch heillos, weil der sporadischen Beschilderung kaum zu folgen ist und selbstverständlich stehen wir jeglichem Kartenmaterial verzichtend gegenüber. Derselbe Weg zurück kommt überhaupt nicht in Frage. Sind doch keine Anfänger..

Cascades du Ballon Aufstieg

..pfeif ich noch aus dem letzten Loch. Wie durch ein Wunder schaffen wir es immerhin bergauf zur Ferme du Haag. Die Sonne knallt erbärmlich, während wir hier zwischen anderen Wandervögeln zum Panaschieren ansetzen und eine Tarte aus Munster und Lauch erschnaufen. Geschwisterlich teilend merken wir bald, dass unser satter Teller für die Bauarbeiter links bloß zur Vorspeise eines Viergangmenues zählt und sitzen da, mit hochroten Köpfen.

Heimweg Tarte au Munster et Lauch
Bergetappe am Grand Ballon

Beim letzten Gipfelsturm bin ich dennoch froh, vom Menue den Kürzeren gezogen zu haben. Steil, steiler, brütend durchs Geröll stapfen wir des Weges. Panorama links, Panorama rechts, Fotos brauchen wir jetzt nicht und wenn doch, dann – Halt, Stopp: Eine Quelle. Und irgendwann sind wir eben oben. Völlig erledigt..

Gipfelsturm Source du Rennenbach
Gipfel am Grand Ballon

..aber gewachsen und glücklich. Danke, Rooney! Tschüß, Elsass!

Happiness & Growth Adieu Straußenland

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3 Antworten auf “Grand Ballon – Der Angstgegner”


  1. 1 lamiacucina 07. Oktober 2011 um 15:44 Uhr

    Tapfer, ich wäre über die Weindörfer nicht hinausgekommen.

  2. 2 Schnick Schnack Schnuck 07. Oktober 2011 um 20:15 Uhr

    Du hast die Berge aber ja beinahe vor der Haustür.

  1. 1 Vom Bruder Belchen « Schnick Schnack Schnuck Pingback am 09. Oktober 2011 um 8:42 Uhr
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