Vom Bruder Belchen

Kaum das Elsass hinter uns lassend, meldet sich schon sowas wie Heimweh nach den Bergen, während wir die Rheinebene zurück in den Schwarzwald kreuzen. Glücklicherweise hat der Grand Ballon noch einen Bruder auf dieser Seite, den Belchen. Dem näheren wir uns zielstrebig. Wir halten, wo es gefällt, und landen für die Nacht im Haldenhof. Beim Abendessen auf der Veranda sehen wir den anvisierten Gipfel im Abendrot untergehen. Äsende Kühe ziehen ihrer Wege, Nacht legt sich über unser Bilderbuchtal, derweil die sonorigen Herbergsherrschaften Großes auftischen. Hirschkalbsrücken mit handgeschabten Spätzle und Rotweinbirne für mich, Semmelklöße mit Pfifferlingen für den halbvegetarischen Mitesser. Roter Hauswein vom Fass. Dass der Kellner unsere Espressobestellung in der Küche flüsternd als starken Kaffee übermittelt, übergehen wir mit der Milde von Reisenden. Wir schlafen selig.

Hirschkalbsrücken mit geschabten Spätzle Semmelknödel mit Pfifferlingen
Kätzchen Es trinkt

Zwischen Spätsommerkätzchen und Saftbar der Belchenhöfe beginnen wir morgens fit und ausgeschlafen den Anstieg in den Berg, welchen wir uns augenzwingernd zum Abtrainieren ausgesucht hatten. Zunächst begleiten Kühe wie Ziegen als weitere Statisten einen lockeren Gang Richtung Gipfel und bringen uns in ihren klischeehaften Posen so sehr aus der Fassung, dass wir schnellstmöglich die Orientierung verlieren und eigener Wege gehen.

Almkuh

Kuh talwärts Ziegengalopp
Ziegen am Berg Altweibersommer im Schwarzwald

Nach Art der Flachlandtiroler bedeutet das einerseits ein romantisches Querfeldein, dabei geht es aber eben auch steil bergauf.

Hohfelsen, 1268m

Neben läppschem Kartenmaterial, reduzieren wir zur abschließenden Reisekrönung den Proviant um jegliche Getränke, sodass uns zunehmend auch noch die Spucke wegbleibt. Dafür hatten wir arschcoole Wanderstöcke aufgelesen und werden trotzdem noch ausgelacht, als wir so abgekämpft schließlich im Belchenhaus einkehren. Immerhin: Nie hat ein Gipfelradler besser geschmeckt! Und dann dieser Ausblick..

Aufstieg zum Belchen Talblick vom Belchen
Das Belchenhaus Belchengipfel
Bergpanorama am Belchen

Das Berpanorama, bei dem man am Horizont zur Linken schon die Alpen erkennen kann und rechts der Grand Ballon aus den Vogesen rüberlinst, ist aller Strapazen wert und lässt uns zudem so übermütig werden, dass wir auch beim Abstieg um keinen Umweg verlegen sind. Dafür kann ich inzwischen schon viel zu abgeklärt zurückblicken und einfach hinterher aufzeigen, wo wohl der einfachere Weg hingeführt hätte.

Gipfelkühe Rapsfelsen, 1328m
Wanderslust

Es bleibt Zeit für ein Picknick und zurück bei den Belchenhöfen im Tal begrüßen uns die Kätzchen zur Saftbar, als seien wir nie weg gewesen. Die Natur ist also doch gnädig mit uns. Dennoch bleibt ein Gefühl, dass wir uns fürs nächste Mal noch ein bisschen besser vorbereiten könnten. Beim Essen der Schwarzwaldforellen packen wir innerlich schon Säckel fürs nächste Jahr. Mit richtigen Wanderstöcken, Karten und vielleicht sogar einem Kompass. Oder macht man sowas heutzutage per GPS? Ich bin mir nicht sicher, doch beim Verarzten geschundener Füße wird eines deutlich:

Bergpicknick Saftbar mit Katze
Schwarzwaldforelle

Ein Wanderer braucht anständiges Schuhwerk!

Wandersfuß

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3 Antworten auf “Vom Bruder Belchen”


  1. 1 Verboten gut ! 09. Oktober 2011 um 10:20 Uhr

    Au weh … die Blase sieht ja nicht so dolle aus … ne blöde Stelle … ich drück dir die Daumen das es schnell wieder verheilt .

    Bei dem Anblick deiner Bilder bekommt man Reiselust und Hunger … die Knödel mit Pilzen … könnt ich grad wegfuttern, trotz früher Uhrzet ;o)

    Lg & einen schönen Sonntag
    Kerstin

  2. 2 zorra 09. Oktober 2011 um 10:24 Uhr

    Oder und gute Pflaster. ;-)

  3. 3 Schnick Schnack Schnuck 09. Oktober 2011 um 18:20 Uhr

    Alles abgheilt, die Pflaster wirken da Wunder!

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