Bremerhaven – ein historischer Stadtrundgang

Im historischen Morgenstern Museum, steht die Bronzeplastik „Kleine Welt“ von Bernd Altenstein. „Ein Museum zeigt nie die Wirklichkeit, sondern nur Abbilder von ihr. Die Künstler interpretieren sie auf ihre Weise. Betrachter mögen ihre eigene kleine Welt entdecken.“, ist im Text darunter zu lesen. Verlässt man das Museum am Holzhafen, steht man mitten drin, in der Stadtgeschichte. Mit dem Rückgang der Floßwirtschaft und nach einem Großfeuer bei der FA Kü(h)lken wurde das Hafenbecken um ein Drittel verkleinert und in einen Park umgewandelt. Zwischen Elbestraße und Hohenstaufenstraße durchläuft man gemischte Wohnquartiere. Vorne die herausgeputzten Bürgerhäuser, dahinter sozialer Wohnungsbau, der bloß noch lückenhaft instand gesetzt zu werden scheint.

Die alte Schifferklause an der Geeste steht seit 2012 leer. In der kleinen Fischbratküche in der Bismarckstraße ist dagegen der Teufel los. Für 8,50 Euro bekommt man hier eine riesige Portion Backfisch mit Kartoffelsalat. Mit oder ohne Mayo. Aus 10 – 12 Arten wählt man den Backfisch und der Laden brummt. Besonders zur Mittagszeit, wenn die Nachbarschaft Ihre Portionen direkt an der Durchreiche zur gekachelten Küche für Zuhause mitnimmt. Gäste, die von weiter weg kommen, sitzen im kleinen Restaurantvorraum, der in den ganzen Jahren bloß einmal neu eingerichtet wurde. Er habe nie vergrößern wollen, erzählt ein Gast über den Wirt des Hauses, der hier mit einer Baggage von bestimmt sechs Mitarbeitern in der Küche steht, während der Service bloß mitgemacht wird. In Bremerhaven esse ich den besten Fisch meines Lebens.

Ganz zeitgenössisch ist der Kunstverein, der mit seinem Kunstmuseum die Sammlung alter Maler bis hin zu modernen Installationen ebenso zeigt, wie eine Ausstellung rund um das Fluxus-Werk von Thomas Schmidt in der gegenüberliegenden Kunsthalle. Man hält Kontakt zu den Künstlern, die aus der Stadt und der näheren Umgebung kommen, oder die hier im Rahmen eines Atelierstipendiums tätig waren.

Wirtschaft und Wissenschaft ließen mit dem Hafen die Motoren aufheulen, um Touristen und Investoren anzuziehen. Mittendrin entstand das Klimahaus. Public Private Partnerships investieren in den Ausbau von Schulen, aber im Inneren bleibt Bremerhaven weiterhin eine arme Stadt. Auch der Blick auf die Geschichte verändert sich im Laufe der Zeit. So gibt es im Auswanderermuseum inzwischen auch ein Einwanderermuseum.

Während die Ausgaben für Bildung und soziale Aufgaben wie zuletzt bei der Jugendarbeit um 35% gekürzt wurden, steigt der Kriegsetat. Bremerhaven ist u.a. Drehscheibe für die Operation Atlantic Resolve.

Bei Finger am Theaterplatz kann man die kulturgeschichtliche Entwicklung der Fischereihafenstadt Bremerhaven erkunden. Während man über die Durchreiche im Eingang den Fisch aus der gekachelten Fischbratküche zum Mitnehmen bestellen konnte, bekommt man im angeschlossenen Restaurant das klassische Gedeck vom geschulten Service. Im oberen Stock dienen die ehemaligen Wohnungen für die Arbeiter heute als Hotel.

Zurück bleiben „Die Ungehobelten“. Mit der kollaborativ entstandenen Installation von Paloma Varga Weisz zeigt die Künstlerin Eindrücke ihres Bremerhaven Stipendiums: Hafen, Schiffahrtsmuseum und die Sex-Shops aus der Rickmersstraße.

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