Schwein gehabt!

Ich habe mir eure ermutigenden Kommentare zu meinen Rouladen zu Herzen genommen und bereits vor meinen inneren Augen die Vorräte mit Dosen und Gläschen voll saftigem Bratenfleisch und hocharomatischen Saucen gefüllt, sodass sich davon den Rest dieses obschon nicht mehr langen Jahres zehren ließe. Wer regelmäßig mitliest, der weiß außerdem, dass es hier eigentlich nie Schweinefleisch gibt. Das liegt vor allem daran, dass wir eben sehr wenig Fleisch essen und wenn ich mir dann doch mal ein gutes Stück gönnen will, dann greif ich instinktiv und beinahe ausschließlich zum Rindfleisch. Die Farbe macht mich einfach immer scharf, wenn ich die Nase an der Fleischtheke platt drücke. Da komm ich nicht dran vorbei. Als ich mich jetzt aber erstmals nach einem solitären Bratenstück bei meinem Metzger umsehe, da ändert sich auf einmal alles. Die Schwarte von dem Stück Schwein sieht aus wie aus dem Bilderbuch. Der Mittelpunkt in überbordender Tischszene aus irgendeiner Mantel- und Degenposse rülpsender Männerhorden. Verschwenderisch, fett und geil – her damit!

Schweinebraten mit Apfelkraut

Den Braten reibe ich mit grobkörnigem Senf ein, brate ihn von allen Seiten rundrum in Schweineschmalz an und leg das erstmal beiseite. Dann röste ich einen Markknochen vom Rind sowie gestückeltes Suppengemüse, gieße reichlich Weißwein an und lege das Schwein mit der Schwarte voran wieder in den Bräter. Ich gieße noch soviel Wasser dazu, dass das Stück etwa zur Hälfte im Sud liegt. Zwei Lorbeerblättchen, Wacholderbeeren und ein paar Nelken kommen noch dazu. Bei knapp 200 Grad schmurgelt das etwa eine Stunde, begieße das Fleisch beständig mit dem Sud, dann wende ich den Braten und schneide die Speckseite rautenförmig ein. Eine Stunde bleibt das so nochmal im Rohr und immer mal wieder pinsel ich die Schwarte mit Honig ein. So richtig knusprig ist mir die leider nicht gelungen, vielleicht hätte ich den Braten doch früher wenden sollen?

Schweinebraten mit Apfel-Sauerkraut

Nebenher schmore ich Sauerkraut mit ein paar Wacholderbeeren in Weißwein. Soald der verlöscht ist, lass ich das Kraut noch in etwas Butter bräunen und raspel einen Apfel dazu. Für die Sauce schöpfe ich ein paar Kellen vom Bratensud ab, köchel die auf ein Drittel ein. Noch etwas grobkörnigen Senf einrühren und schließlich mit Mehlbutter zur Sauce montieren. Den Braten in dünnen Scheiben aufschneiden und alles zusammen mit Petersilienkartoffeln anrichten.

Aufgewärmter Schweinebraten

Das reichte jetzt für ein sattes Wochenende. Am zweiten Tag habe ich einfach wieder Scheiben abgeschnitten und in neuer Sauce kurz warm ziehen lassen. Eine Portion nahm ich zum Wochenstart mit ins Büro und den schmalen Rest gibt es von nun an aufs Frühstücksbrot. Das mit dem Einfrieren und Einkochen heb ich mir fürs nächste Mal auf, bloß einen Eiswürfelbeutel vom Sud konnte ich auf lange Sicht horten.

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5 Antworten auf “Schwein gehabt!”


  1. 1 lamiacucina 07. Dezember 2010 um 10:44 Uhr

    meist hab ich nur Rind. Passt irgendwie nicht so gut und eine knusprige Schwarte gibts auch nicht.

  2. 2 Linda 07. Dezember 2010 um 19:20 Uhr

    Mir gerät Schwein oft ein bisschen trocken, deshalb gibt es bei uns auch öfter Rind. Ich mag Sauerkraut so sehr, leider teilt diese Liebe keiner in der Familie.

  3. 3 ilse aus Minga 08. Dezember 2010 um 15:50 Uhr

    Ich koche nie Schwein zuhause, aber ich mache sehr gerne die Restaurant-Testerin. Die meistern bayrischen Wirtschaften können nämlich Schweinereien wesentlich besser als ich.

  4. 4 Schnick Schnack Schnuck 09. Dezember 2010 um 7:40 Uhr

    @ lamiacucina: Nur nicht resignieren ;-)

    @ Linda: Stimmt, unten rum wurde unser Stück auch schon etwas drögsch.

    @ ilse: Um diese Wirtschaften beneide ich dich ja immer ein bisschen.

  1. 1 Wirtshausküche mit Kochgruppe « Schnick Schnack Schnuck Pingback am 23. Februar 2011 um 10:40 Uhr
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