Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Winterliches Soulfood – die 3 besten Rezepte gegen den Winterblues

Tea Time gegen den Winterblues

Es ist schon wieder drei Jahre her, seit wir zur Weihnachtszeit in Toulouse die französischen Märkte nach Aligot und ähnlichen saisonalen Köstlichkeiten der Region abgeklappert hatten. Bald ist es wieder soweit. Denn das beste Heilmittel gegen den Winterblues besteht immer noch in voller Fahrt voraus. Mitten rein ins Getümmel der Krippenspiele und Weihnachtsmärkte stoßend, ziehen wir bald ein Stückchen gen Süden, um die letzen Geschenke für die bucklige Verwandtschaft im Ville en Rose an Land zu ziehen. Derweil machen wir uns um das leibliche Wohl unserer Leserschaft Gedanken und erwecken ein paar Rezepte aus der vergangenen Saison zu neuem Leben. Soulfood gegen den Winterblues.

Auch wenn die amerikanische Variante von Arme Ritter abseits seines Namens kaum mehr mit der Stadt am Ufer der Garonne zu tun hat, zählt French Toast in einem All American Breakfast zu den kleinen Köstlichkeiten, die einem schon morgens Freude bereiten. Das Rezept greift, denkbar einfach, auf altbackene Zutaten zurück, während ich den Speck inzwischen wegen seiner ebenmäßigen Knusprigkeit in der Mikrowelle ausbacke.

Last Flush, vor dem ersten Frost ernte ich hier noch fix das Kräuterbeet ab. Zur Tea Time hält man so neben dem beliebten Ostfriesentee eine Kräuterinfusion mit Ingwer bereit, mit der sich Nies- und Schnaubgeschichten solange in Schach halten lassen, bis die erste Hühnersuppe grippalen Infekten zu Leibe rücken muss.

Überhaupt halten Suppen und Eintöpfe in dieser Zeit wieder Hochkonjunktur. Soup of the Day ist diesmal die Kartoffelsuppe, die ich mit anderem Gemüse aus Wurzeln und Knollen mit schlagkräftigem Bums fabriziere.

Eintopf, diverse Zutaten und der gestiegene Appetit kurz vor dem Winterschlaf finden mit Süßkartoffeln am Ende bei Stew oder Gulasch in einem Kessel zueinander. Die Säure eingelegter Gurken fügt sich in diese internationale Mélange.
Wer uns auf unseren Reisen und Rezepten begleiten möchte, folgt einfach den Travelfoodies auf Instagram. Guten Appetit!

Thali – die indische Küchenplatte im kaalia Style

Beim kaalia im Hamburger Grindelviertel kann man am Wochenende Schlange stehen. Für dieses Special, welches in Indien zu besonderen Anlässen serviert wird, sind die Plätze schnell reserviert. Die Kaalia Street Cuisine bringt auf ihrer gemischten Platte einige der beliebtesten Leckereien der indischen Küche zusammen und regt damit alle Geschmacksnerven an. Die Gäste wählen zwischen Currys mit Rind, Fisch oder dem hausgemachten, indischen Käse Paneer. Mit Joghurt, Chutneys sowie salzig eingelegten Mixed Pickels kommt Mildes, Scharfes, Saures, Gebackenes, Rohes, Kaltes und Heißes zu einer Portion Reis auf den Tisch. Wer das Spektakel dieses Mal verpasst, kann sich zum Mittagstisch am
Dienstag auf indische Burger freuen!

Bremerhaven – ein historischer Stadtrundgang

Im historischen Morgenstern Museum, steht die Bronzeplastik „Kleine Welt“ von Bernd Altenstein. „Ein Museum zeigt nie die Wirklichkeit, sondern nur Abbilder von ihr. Die Künstler interpretieren sie auf ihre Weise. Betrachter mögen ihre eigene kleine Welt entdecken.“, ist im Text darunter zu lesen. Verlässt man das Museum am Holzhafen, steht man mitten drin, in der Stadtgeschichte. Mit dem Rückgang der Floßwirtschaft und nach einem Großfeuer bei der FA Kü(h)lken wurde das Hafenbecken um ein Drittel verkleinert und in einen Park umgewandelt. Zwischen Elbestraße und Hohenstaufenstraße durchläuft man gemischte Wohnquartiere. Vorne die herausgeputzten Bürgerhäuser, dahinter sozialer Wohnungsbau, der bloß noch lückenhaft instand gesetzt zu werden scheint.

Die alte Schifferklause an der Geeste steht seit 2012 leer. In der kleinen Fischbratküche in der Bismarckstraße ist dagegen der Teufel los. Für 8,50 Euro bekommt man hier eine riesige Portion Backfisch mit Kartoffelsalat. Mit oder ohne Mayo. Aus 10 – 12 Arten wählt man den Backfisch und der Laden brummt. Besonders zur Mittagszeit, wenn die Nachbarschaft Ihre Portionen direkt an der Durchreiche zur gekachelten Küche für Zuhause mitnimmt. Gäste, die von weiter weg kommen, sitzen im kleinen Restaurantvorraum, der in den ganzen Jahren bloß einmal neu eingerichtet wurde. Er habe nie vergrößern wollen, erzählt ein Gast über den Wirt des Hauses, der hier mit einer Baggage von bestimmt sechs Mitarbeitern in der Küche steht, während der Service bloß mitgemacht wird. In Bremerhaven esse ich den besten Fisch meines Lebens.

Ganz zeitgenössisch ist der Kunstverein, der mit seinem Kunstmuseum die Sammlung alter Maler bis hin zu modernen Installationen ebenso zeigt, wie eine Ausstellung rund um das Fluxus-Werk von Thomas Schmidt in der gegenüberliegenden Kunsthalle. Man hält Kontakt zu den Künstlern, die aus der Stadt und der näheren Umgebung kommen, oder die hier im Rahmen eines Atelierstipendiums tätig waren.

Wirtschaft und Wissenschaft ließen mit dem Hafen die Motoren aufheulen, um Touristen und Investoren anzuziehen. Mittendrin entstand das Klimahaus. Public Private Partnerships investieren in den Ausbau von Schulen, aber im Inneren bleibt Bremerhaven weiterhin eine arme Stadt. Auch der Blick auf die Geschichte verändert sich im Laufe der Zeit. So gibt es im Auswanderermuseum inzwischen auch ein Einwanderermuseum.

Während die Ausgaben für Bildung und soziale Aufgaben wie zuletzt bei der Jugendarbeit um 35% gekürzt wurden, steigt der Kriegsetat. Bremerhaven ist u.a. Drehscheibe für die Operation Atlantic Resolve.

Bei Finger am Theaterplatz kann man die kulturgeschichtliche Entwicklung der Fischereihafenstadt Bremerhaven erkunden. Während man über die Durchreiche im Eingang den Fisch aus der gekachelten Fischbratküche zum Mitnehmen bestellen konnte, bekommt man im angeschlossenen Restaurant das klassische Gedeck vom geschulten Service. Im oberen Stock dienen die ehemaligen Wohnungen für die Arbeiter heute als Hotel.

Zurück bleiben „Die Ungehobelten“. Mit der kollaborativ entstandenen Installation von Paloma Varga Weisz zeigt die Künstlerin Eindrücke ihres Bremerhaven Stipendiums: Hafen, Schiffahrtsmuseum und die Sex-Shops aus der Rickmersstraße.

Brotpudding mit Rosinenbrot

Rezept für Brotpudding

Kurz vor Weihnachten und Jahreswechsel wird hier ausnahmsweise mal wieder gebacken. Während der eine also noch alte Rezepte aus der Weihnachtsbäckerei nach Vanillekipferln und Zimtkugeln durchforstet, damit die alljährliche Teigproduktion pünktlich zu den Festtagen wieder ins Rollen kommt, mach ich es mir diesmal einfacher und backe einen Brotpudding aus den Resten vom olschen Rosinenbrot. Resteverwertung!

Pudding aus Rosinenbrot

Vielleicht erinnert sich ja noch jemand an Englischer Weihnachtspudding? Richtig lecker schmeckt der. Diesmal liegt hier eben altbackenes Rosinenbrot und bevor das jemand wegschmeißt, gibts ein neues Dessert, das auch noch zum Frühstück schmeckt. Dafür einfach die gestückelten Scheiben in einer Auflaufform aneinander legen. Mit einem Guss aus Creme Double, gesüßter Kondensmilch, Sahne, Eiern und zwei extra Eigelb sowie dem Mark einer Vanilleschote mit etwas Zucker verquierlt über das Rosinenbrot geben. Obenauf mit etwas Orangenmarmelade bestreichen und einigen Butterflocken drüber in den Ofen geben, bis der Guss stockt. Mit Vanillesauce anrichten.

Brotpudding aus der Weihnachtsbäckerei

Collect all your Commission

Gefüllte Rouladen – ein Klassiker revisited

Geüllte Rouladen

Was waren das noch für Zeiten als wir hier außerhalb der Kochgruppe einen halbvegetarischen Haushalt führten und ich in kargen Wintern beinahe wehmütig den guten Sonntagsbraten anderer Küchen nachschnüffelte. Egal, ist der Krieg schon vorbei? Das Sicherheitsballett bei der derzeitigen OSZE Konferenz in Hamburg mag anderes glauben lassen. Die alte Nachbarin meiner Schwester hat gleich brühwarm ihre Fluchttraumata aufgetischt. Schönen Gruß!

Während der Obergipfelpolizist Dudde und seine Gang also noch alles dran setzen, dass der kurz vor der Rente zum G20 endlich mit dem richtig schweren Gerät der Bundeswehr durch die Innenstadt eiern kann, simmert bei der Dame unten im Haus Gulasch und auch auf der mittleren Etage gibt es gutes Essen. Ich riech das doch! Rouladen, der Braten des kleinen Mannes, titelte ich damals. Inzwischen hat der ehemals halbvegetarische Mitesser wieder Blut geleckt und möchte auch prompt die ganze Palette durchprobieren. So sindse, die alten Männer.

Es gibt also wieder Rouladen. Und damit es hier nicht langweilig wird, füll ich die diesmal mit einem guten Stück Appenzeller, einer Scheibe Lardo und kleinen Salbeiblättern. Der Rest bleibt, wie gehabt. Da meine Wickeltechnik immer noch nicht wesentlich besser geworden ist, halten inzwischen solche Schellen die Scheiben vom Kalb zusammen. Die Enden verzwick ich dann bloß noch lose mit den Stochern.

Anbraten, gestückeltes Suppengemüse dazu, hier mit Weißwein angießen und nach einigen Stündchen im Schmortopf das Gemüse abfischen. Den Sud mit etwas in Butter verdrücktem Mehl zur Sauce abbinden. Als Beilage schmecken in Speckbutter geschwenkte Bohnen. Wer dann noch ins ausgewiesene Gefahrengebiet ziehen möchte, organisiere sich bitte unverzüglich den Passierschein 38a. Ist bloß ne Formalie.

Rouladen - ein Klassiker revisited

Verklärte Hafenromantik: Supermond in Hamburg

Hafenromantik Hamburg

Prost Mahlzeit! Der Hamburger Hafen bleibt ein Sorgenkind. Der in Zeiten der Industrialisierung ehemals boomende östliche Teil des Elbebeckens versandet, wenngleich sich die Hamburg Port Authority ihren industriellen Partnern vertraglich verpflichtet hat, Wasserwege fahrbar zu halten. Durch regelmäßiges Ausbaggern kommt verseuchter Boden zutage, in dem sich Schwermetalle und Dioxine der Hafenwirtschaft seit Jahren ablagern.


Die wurden wahlweise mal nach Wilhelmsburg, Billbrook oder Richtung Finkenwerder und Moorburg geschafft, solange sich Anwohner nicht entsprechend gegen behördliches Bullshit-Bingo zur Wehr setzen konnten. Aufbereiteter Giftschlamm ginge sonst auch noch als Mutterboden zurück an Hamburger Kleingärtner. Inzwischen schippert der Dreck direkt in die Nordsee.

Hamburg Steinwerder Hafen

Das Nachbarland Schleswig-Holstein hat sich zu einer Aufstockung der Kubikmeter bereit erklärt, die jedes Jahr kurz vor Helgoland „verbracht“ werden. Bis es soweit ist, lagern die giftigen Hügel mäßig gesichert irgendwo im südlichen Hafengebiet bei den Kreuzfahrtschiffen, die selbst aufgrund ihnen einhergehender Umweltbelastungen in der Kritik stehen.

Sonnenuntergang Hamburger Hafen

Dabei reicht auch dieses fragwürdige Gebaggere nicht mehr aus, um neuen Containerschiffen Platz zu schaffen. So ein Schiff hält ja nicht ewig, wissen auch die Veranstalter der alternative Hafenrundfahrten. Erschreckend kurz ist tatsächlich die Lebensdauer so eines Ozeanriesens und die richtig großen Pötte laufen die Stadt längst nicht mehr an. Wie die so malerisch von Schleppern umgeben durch Nacht und Nebel die Elbe hochziehen und mit bunten Containern beladen wieder auf große Fahrt gehen – mit solchen Bildern verklärter Hafenromantik sollte es bald vorbei sein.

Containerschiff Hafen Hamburg

Ob Abgase der Kreuzfahrtschiffe, geldverschlingende Elbphilharmonie, Eventisierung der Stadtkultur oder vergeigte Olympiabewerbung, Hamburg scheint als vermeintliches Tor zur Welt bisher erschreckend blindlings von einem Megaknaller zum nächsten zu stolpern, um anonyme Touristen in Massen anzuziehen, anstatt auf nachhaltige Stadtentwicklung von Unten zu setzen und für ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. Sowas braucht Zeit und eben keine normativen Automatismen. Die Rolle der Kunst? Bitte nur zur Dekoration!

Hafencity und Elbphilharmonie


Statt solidarisches Miteinander zu förden, spalten städtische Akteure beim Thema Wachstum als erstes solche Bewegungen, die sich längst selbst und kritisch mit dieser Entwicklung auseinander setzen, um Alternativen zur reinen Verwertungslogik zu entwickeln. Rassistische Kontrollen um die Hafenstraße, verzerrende Verhandlungen ums Gängeviertel oder Anspruchsgerangel auf dem Stockmeyergelände zeigen im Gegensatz zur fixen Bauentwicklung hochklassiger Appartements und Coworking Spaces für digitale Leistungsträger mit lean production einen Teil des Spannungsfeldes Kapitalismus.

Supermoon 2016 in Hamburg

Wenn beim G20 Gipfel im Juli 2017 die ganze Innenstadt zwischen Messehallen, Rathaus und der Elbphilharmonie von 10.000 Einsatzkräften zum schützenden Sperrgebiet der über 6.000 Teilnehmer der 19 reichsten und mächtigsten Staaten wird, zeichnet sich jenseits aller Beteiligungsverfahren ein ganz anderes Bild, wem die Stadt gehört. Anwohner sollen Besucher dann bitte persönlich am Absperrgitter der Gated Community abholen kommen.

Hamburger Hafen und Elbphilharmonie

Supermoon in Hamburg – Nebelig wie die Sonnenfinsternis?

Locaton Scouting Supermoon

Erinnert ihr euch noch an die Sonnenfinsternis 2015 und den Nebel des Grauens? Ich kann sagen, meine Fotos vom Hamburger Elbstrand gefallen mir immer noch. Montag gehts wieder los und diesmal verbieg ich mich sogar als Location Scout für den erwarteten Super Supermond. Wer mag, kann mir via Instagram entlang der Elbe folgen. Ein paar Tipps und Tricks gilt es einzusammeln, wie man in Hamburg die besten Fotos schießt und wieso weshalb warum man noch am Storytelling drehen kann, wenn das Wetter schlecht ist, die Woche mies war oder man auch sonst einfach leicht einen sitzen hat. Unerhört, ungezogen – Let`s Play!

Außerdem findet man eine kleine Zusammenstellung via Twittermoments, in denen Leads, Hunches und sonstigem Gedöns rund um das Supermond Spektakel in Hamburg nachgegangen wird.


Cervezeria, Bodega, Taberna oder Tapasbar – ein kulinarischer Streifzug durch Sevilla

Kulinarischer Stadtrundgang, Sevilla

Etwas zu Essen findet man in Sevilla an jeder Ecke. Cervezeria, Bodega, Taberna oder Tapasbar – überall bieten die Lokale stolz ihr Tapas, Raciones oder Platos als typisches Kneipenessen oder als Menü zu unschlagbar günstigen Preisen an. Einen schnellen Happen findet man hier für unterwegs ebenso, wie den ir de tapas, bei dem sich Portion um Portion in wechselnden Locations zum sozialen Event mit wachsender Teilnehmerzahl entwickelt. Bis sich die Gruppe schließlich in der letzten Bar noch eine ordentliche Platte zum Abschluss teilt. Am besten frittierten Fisch mit Essig, gegen den Kater.

Markthallen von Triana

Mercado d Triana

Das erste kühle Bierchen wird hier nämlich schon vormittags gezischt. Bei einem Bummel durch die Markthallen des Viertels lassen sich alle Zutaten für den weiteren Stadtrundgang in handhabbaren Portionen auf die Hand oder für Zuhause mitnehmen. Anschließend finden sich an jeder Ecke Einkäufer und Marktbeschicker zum Palaver zusammen, um die Angebote fangfrisch vor Ort zu zu verkosten. Aufgrund der vielen kleinen Teller, kann man mit Tapas die vielfältige Bandbreite spanischer Esskultur erleben.

Einkaufen Mercao Triana Caracoles, spanische Wegschnecken
Spanish Streetfood: Chorizo, Queso und Jamón auf die Hand Essen auf dem Markt

Getrockneter Fischrogen als Ceviche mit Paprika, Langostinos und Stabmuscheln – mitunter erfordert es ein wenig Mut, sich den vielen neuen Geschmackseindrücken zu stellen. Gerade auf den Märkten fällt mir das deshalb leichter, weil man in den Auslagen schonmal sehen kann, was kommt. So muss sich niemand auf geschriebene Anschläge oder multilinguale Erklärungen mit Halbwissen verlassen, sondern zeigt einfach und direkt, was man haben möchte. Genau das bekommt man dann auch. Kein dekoratives Beiwerk, kein Schnickschnack. Unglaublich lecker!

Huevos - Getrockneter Fischrogen Frischer Fisch vom Markt
Stabmuscheln essen

Markteinkauf Triana

Markthalle von Triana

Picknick im Grünen

Picknick in den Gärten von Alcázar

In den Gärten des mittelalterlichen Königpalastes von Alcázar lässt es sich nicht nur ganz wunderbar abseits belebter Gassen flanieren. Im Laubengarten, dem Jardín del Cenador, speisten schon Könige wie Karl V. in einem der Pavillions mit Blick ins Grüne. Trotz der flughafenähnlichen Eingangskontrollen bekommen wir unser Besteck sowie alle Zutaten im Rucksack mit rein. Breitet man sich im Garten nicht zu offensichtlich aus, findet man also die perfekte Kulisse für ein lauschiges Geburtstagspicknick mitten in der Stadt.

Estanque de Mercurio Laubengarten in Alcazar - Jardín del Cenador
Picknickplatz im Grünen Geburtstagskuchen to Go

Tapasbar La Entrañable Triana

Tapas im La Entrañable

Nach der Siesta ist Tapastime. So ungezwungen das Spektakel zunächst aussieht, verlangen die zahlreichen Variationen doch einige soziale Konventionen. So kann es schonmal passieren, dass man als Einzelner gar nichts zu Essen serviert bekommt, weil sich viele einig sind, dass man nicht alleine isst. Jedenfalls nicht am Tisch. Direkt an der Bar wird das nicht so eng gesehen. Man bestellt ein Getränk – para tomar algo, kommt mit anderen ins Gespräch und erst wenn sich so casual ein paar Bekanntschaften zusammenfinden, beginnt das eigentliche Ritual. Dabei folgt man am besten den jeweiligen Empfehlungen, snackt sich durch – para picar algo – und zieht dann auch bald weiter. Ansonsten kann es schonmal passieren, dass nach einer längeren Sitzung plötzlich die Kaffeemaschine kaputt ist, weil schon längst neue, hungrige Gäste – para tapear – warten. Fix die Rechnung ordern und dann geht es eben woanders weiter.

Tapas, Ceveza und Sardinas Typisch Sevilla: Caracoles, Schnecken und geschmorte Schweiebacke
Essen unter Nachbarn

Essen unter Nachbarn: Taberna Sol y Sombra

Während in den öffentlichen Bars nach allen Seiten hin viel Getue um die Tapas herrscht, geht es in den nachbarschaftlich orientierten Tabernas abends eher beschaulich zu. Hier treffen sich vor allem Familien beim Wirt um die Ecke, dessen Küche deshalb nicht weniger Spannendes zu bieten hat. Man beginnt mit etwas kühlem zum Sangria, Ibericoschinken oder Käse. Dann steigert man sich langsam zu warmen Happen, mit eher traditioneller Ausrichtung. So essen wir nach Jahren mal wieder Froschschenkel, folgen aber auch der Empfehlung zur geschmorten Schweinebacke gerne. Besonders lecker auch Tortilla de Camarones – Kartoffelpuffer mit Krabben, bzw. Krill.

Taberna Sol y Sombra Tortilla de Camarones
Gebratene Froschschenkel Taberna und Cruzcampo
Bar La Moderna, Santa Cruz Sevilla

Bar La Moderna in Santa Cruz

Ist man endlich eingegroovt in das Tapasgeschäft, hat man demnach mehrere Etablissements abgeklappert, einige schräge Blicke riskiert, aber eben auch viel getrunken, unglaublich leckere Kombinationen durch den Gaumen rutschen lassen und bestenfalls ein paar neue Freunde gefunden. Am Ende des Abends landet so eine Gruppe dann in einem Restaurant, wie der Bar La Moderna. Para comer, um endlich eine richtige Mahlzeit zu essen. Dazu wird man mit mehreren Leuten dann etwas separiert gesetzt, schließlich kann es lauter werden. Vor allem wenn die letzten Raciones auf den Tisch kommen. Man einigt sich auf größere Platten, die untereinander aufgeteilt und gegenseitig serviert werden. In der Regel übernehmen das hier ganz klar die Männer. In dieser Gesellschaft werden sie dann plötzlich selbst zum Wirt und können nachvollziehen, warum die abwechslungsreiche Tradition eben auch von solchen unausgesprochenen Regeln lebt. In Sevilla hat Tapaskultur eine besonders orientalische Atmosphäre.

Frittierter Fisch mit Essig

Sevillas Geschichte zwischen Triana und Santa Cruz – historischer Stadtrundgang

Altstadt von Sevilla - historischer Stadtrundgang

Die Altstadt von Sevilla in Andalusien ist eine der größten. Nur Venedig und Genua liegen im europäischen Vergleich noch eine nasenlänge vorn. Die historische Geschichte dieser Stadt, die bereits vor der Ankunft der Römer als wichtiges Handelszentrum und Brücke zum Orient galt, lässt sich anhand eines historischen Stadtbummels abspazieren. Von Game of Thrones über Carmen bis Star Wars – Sevilla bietet auch für unser Weekend Getaway die perfekte Kulisse.

Torre del Oro

Viele Brunnen der Stadt, welche vermutlich von Phöniziern gegründet wurde, werden über die Überreste römischer Aquädukte gespeist. Canos de Carmona, werden sie genannt. Am Ufer des Flusses Guadalquivir, der hier die Altstadt von der ehemaligen Vorstadt Triana trennt, leuchtet der Torre del Oro als eines der Wahrzeichen über das Wasser. Er ist dem Leuchtturm von Alexandria nachempfunden und stammt in seinen Grundmauern noch aus der Zeit der Mauren. Westgoten hatten während der Spätantike geherrscht und die Stadt zum Sitz des Erzbischofs Isidor von Sevilla erhoben. Bedeutend für die Konstruktion von Wirklichkeiten wurde Isidors universell anwendbares Verfahrens der Welterklärung mittels Wahrheitsfindung durch Sprache, das er Etymologie nannte.
Islamisierte Berber eroberten die Stadt 712 im Kampf bis Normannen die Stadt 844 zerstörten. Den Mauren galt dieser Turm am Fluss als militärisches Sperrwerk, um feindliche Schiffe abzuhalten. Das Kalifat von Córdoba, die Taifendynastie der Abbadiden, berberische Almoraviden und Almohaden verfügten während dieser islamischen Zeit über die iberische Halbinsel.

Giralda in Sevilla

Giralda

Isidor von Sevillas „etymologisch“ gewonnene Wesenserkenntnis eines Begriffes gilt als tiefgründiger, im Vergleich zu philosophisch oder naturwissenschaftlich gewonnenen Erkenntnissen. Seine Berichte begründeten den Mythos von der Überlegenheit der Goten und legitimierten später die Reconquista. In diesem Rahmen eroberte Ferdinand III. von Kastilien im November 1248 den Ort zurück, der seitdem im Besitz der christlichen Spanier blieb.
Die Giralda, das bedeutendste Wahrzeichen der Stadt, ist das ehemalige Minarett der Hauptmoschee von Sevilla, die von der christlichen Reconquista geblieben ist. Während die zur Kirche umfunktionierte Moschee im 15. Jahrhundert niedergerissen und als spätgotische Kathedrale neu erbaut wurde. Die Giralda erinnert an den Turm der in Marrakesch erbauten Koutoubia-Moschee und galt zu der Zeit als höchstes Gebäude der Welt, welches nur von den ägyptischen Pyramiden in Gizeh übertroffen wurde.

Minarett der ehemaligen Moschee von Sevilla

Kathedrale von Sevilla Santa María de la Sede Palast Al-Muwarrak, Alcázar
Garten des Alcázar von Sevilla

Alcázar von Sevilla

Der mittelalterliche Königspalast von Sevilla, Reales Alcázares de Sevilla gegenüber der Kathedrale, war zunächst als maurisches Fort angelegt. Die Almohaden errichteten mit dem Al-Muwarrak einen ersten Palast, der von späteren Monarchien mehrfach erweitert wurde. Heute zählt der Alcázar mit seinen unter christlicher Herrschaft entstanden Bauten als am besten erhaltenes Beispiel für die Mudéjar – Architektur mit islamischem Einfluss – und als ältester Königspalast Europas. Ab 1364 wurde der größte Teil der modernen Anlagen auf den maurischen Ruinen für Peter I. gebaut.

König Peters Palast vom Patio de la Monteria

Fassade des Palasts von Don Pedro I, Alcazar Patio de Las Muñecas - Hof der Puppen
Salon de los Infantes - Gemächer der Königskinder

Islamische Rundbögen Salón de los Embajadores - Botschaftersaal
Patio de las Donceilas - Hof der Mädchen

Die Bäder von Doña María de Padilla

Estanque de Mercurio

Am 6. Februar 1481 fand das wahrscheinlich erste Autodafé in Sevilla statt. Das Castillo de San Jorge wurde, unter der Herrschaft katholischer Könige, zum Sitz der Spanischen Inquisition und blieb es bis 1626. Am Fuße der Puente de Triana, unterhalb der 1927 eingeweihten Capilla del Carmen, liegt das Gebäude heute im Keller der Markthallen von Triana. Einer ehemaligen Vorstadt von Sevilla am anderen Ufer des Flusses.

Capilla del Carmen

Plaza de España

Plaza de España

Amerigo Vespucci und Ferdinand Magellan begannen hier ihre Entdeckungsreisen und so erlangte Sevilla seine Blütezeit nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus 1492. Im 16. und 17. Jahrhundert erhielt die Stadt als Hauptumschlagplatz des spanischen Seehandels und Zentrum der spanischen Kunst internationale wirtschaftliche Bedeutung. Seitdem die Spanier im Krieg mit den USA 1905 ihre letzten Besitzungen in Amerika aufgeben mussten, sollte die Iberoamerikanische Ausstellung 1929 zumindest die kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zu den südamerikanischen Ländern festigen. Die Militärregierung in Madrid hegte Träume von einem hispano-amerikanischen Block, der in der Welt als Machtfaktor beachtet würde. Vor diesem Hintergrund entstand mit dem Plaza de España einer der bekanntesten Plätze in Sevilla, der im Kinofilm Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger als Schauplatz des Planeten Naboo gezeigt wurde.

Plaza de España, Südturm Detailansicht Plaza de España
Treppenhaus Plaza de España Plaza de España, Hauptportal
Kachelornamente der spanischen Provinzen

Rundbögen und Ornamente Deckenansicht Plaza de España
Plaza de España, Detailansicht Südansicht Plaza de España
1929 Iberoamerikanische Ausstellung




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