Archiv der Kategorie 'Blaue Stunde'

Wintercamping West – Cuxhaven

Wintercamping West

Eine neue Woche, ein neuer Roadtrip. Mit dem Camper passen wir am Wochenende bloß das gute Wetter ab, um bei schönstem Sonnenschein die Umgebung auszukundschaften. Schwalbe on Tour, heißt es dann und diesmal düsen wir über Cuxhaven nach Sahlenburg in den Wernerwald und in die Dünentherme nach Duhnen. Dabei erleben wir ganz unterschiedliche Campingplätze und richten es uns überall häuslich ein. Home is, where you park it!

In Cuxhaven übernachten wir direkt auf einem einfachen Parkplatz mit Strom- und Wasserversorgung. Toilettenhäuser sucht man hier vergebens, dafür finden wir gleich klassische Gastronomie vor Ort und essen erst im Fischereihafen-Restaurant bei Lloyd`s und gehen dann auf einen Absacker in die gegenüber gelegene Whiskybar. Hier kann man herrlich am Kamin vor sich hin palavern. Die Sonne ist jetzt im Winter längst untergegangen.

Whiskybar Cuxhaven

Wintercamping Cuxhaven


Wenn zum ersten Kaffee die Jalousetten aufgehen, steht man auf dem Campingplatz in Cuxhaven mitten im maritimen Fischereihafen Ambiente. Obwohl es hier nicht mal ein Klohäuschen gibt, sind wir nicht allein. Wir bummeln ein bisschen um den Platz bei den Fährterminals und fahren dann weiter.

Cuxhaven

Campingplatz Cuxhaven

Im Wernerwald bei Sahlenburg ist der Campingplatz schon eher nach unserem Geschmack. Hier steht man unter Kiefern direkt hinter den Dünen am Strand. Es gibt eine Surfschule, einen Kletterwald und bei etwa wärmeren Temperaturen kann man hier zu Fuß, auf Ponys oder mit der Kutsche eine Wattwanderung rüber nach Neuwerk unternehmen. Wir spazieren durch den Wald Richtung Westen und am Strand zurück zum Wohnmobil.
Auch an dieser Promenade gibt es einige Gastronomien. Wir essen im Il Giardino Pizza, ganz großartige Shrimps und so bleibt bei diesem Ausflug ins Blaue die Campingküche bis auf das Frühstück kalt.

Wanderlust Wintercamping

Wernerwald, Sahlenburg

Am nächsten Tag zieht es etwas zu, das Wetter vormittags ist wolkig und so fahren wir ein Stück weiter in die Dünentherme nach Duhnen. Das Örtchen zeigt sich beinahe autofrei, denn hier darf man für längere Zeit bloß auf den großen Parkflächen am Ortsausgang parken und fährt dann mit dem Linienbus weiter. Der Ausflug durch die kleinen Gassen hin ins Ahoi-Bad lohnt sich aber und wird mit Aufgüssen bei einem Ausblick direkt auf den Strand und das angrenzende Wattenmeer belohnt.

Roadtrip Wintercamping Sahlenburg

Wintercamping Nord – Sankt Peter Ording

Wintercamping Nord - Sankt Peter Ording

Schwalbe on Tour – mit dem Camper fahren wir raus ins wilde Nordfriesland, um uns beim Wintercamping mal wieder ordentlich Sturm um die Nase wehen zu lassen. Dabei starten wir ganz besinnlich unseren Wochenendausflug bei Seezunge und Eierpunsch im schönen Örtchen Tönning. An der Eidermündung zur Nordsee speisen wir hier im maritimen Ambiente im Hotel Godewind am alten Hafen. Auf der anderen Seite verkauft die Fischerei-Genossenschaft ihre Krabben nur noch unter Protest, denn eigentlich ist jetzt im Winter gar keine Saison. Die Touristen wollen sie aber inzwischen das ganze Jahr. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war der Hafen hier von großer Bedeutung. Die damals dänische Grenzstadt zum Heiligen Römischen Reich ist geprägt von der grenzüberschreitenden und wechselnden Herrschaft des dänischen Königs und verschiedener schleswig-holsteinischer Adelshäuser.

Wir erreichen den Campingplatz Olsdorf in Sankt Peter Ording erst im Dunkeln – Ankuft für Liebhaber – weil man das Gelände so nur schwer überblicken kann. Wir checken jedoch gleich im Saunabereich ein und haben Wellness mit Aussicht in die Nacht ganz für uns gepachtet.

Seezung im Hotel Godewind Eierpunsch in Tönning

Am nächsten Morgen frühstücken wir am Strand von Sankt Peter, oder SPO wie man hier sagt. Wir üben das übliche Kaffeepuzzle mit Mühle und Kocher und wandern nach Spiegeleiern und frischen Brötchen gestärkt über den Strand. Eigentlich kann man hier direkt am Ufer parken, aber nach den Überschwemmungen winterlicher Sturmfluten ist das Stück noch gesperrt und der Camper bleibt auf einem kleinen Parkplatz in den Dünen zurück. Wie überall auf der Welt findet man auch hier das übliche Plastik im Meer, obschon während der Saison immer wieder Aktionen laufen, um das angrenzende Wattenmeer zu schützen.

Kaffeepuzzle beim Wintercamping Frühstück am Strand
Sankt Peter Ording Strand

Strand Sankt Peter Ording


Leuchtturm Westerhever

Wir machen noch einen stürmischen Abstecher zum Leuchtturm Westerhever, zum Eidersperrwerk und passieren dabei das Natura-2000-Gebiet Katinger Watt. Dann widmen wir uns dem Abendessen mit Königsberger Klopsen vom Galloway, die wir hier vor Ort und quasi an der Frischetheke des nächsten Supermarktes eingekocht erjagt hatten.
Zum Frühstück gibt es Porridge und am nächsten Hafen von Nordstrand lassen wir den Camper schon wieder zurück für einen Ausflug auf die Nordseeinsel Pellworm.

Königsberger Klopse vom Galloway


Schwalbe on Tour - Wintercamping

Steifer Grog auf der Fähre

Ohne Auto kommt man aber auch auf Pellworm nicht sehr weit und die Fahrräder haben wir im Winter leider nicht dabei. So düsen wir im Vehikel der buckligen Verwandtschaft weiter über das Eiland, das bei einer leichten Drehung der Landkarte immer aussieht wie ein Totenkopf. Der Seenebel, der uns hier am ersten Tag erwartet ist auch wirklich gespenstisch. Aber die Hoffmannswarft bietet eine mollige Trutzburg gegen solche Widrigkeiten. Familientreffen!

Autoinsel Pellworm


Hoffmannswarft Pellworm

Ferienwohnungen unter Reet

Kohlroulade vom Lamm

Wie essen abends „beim Bürgermeister“ im Gasthaus Unter den Linden Kohlrouladen. Natürlich vom Lamm, davon gibt es nach dem traditionellen Lämmerkieken zum Biikebrennen bald wieder genug für alle. Wir frühstücken ein geradezu pittoreskes Frühstück mit selbstgerechten Marmeladen, frisch gebackenen Broten und einem köstlichen Porridge in der Lütt School. Danach gehts zum Stöbern in den Pellwormer Töpferei- und Kunsthandwerksladen von Hermann Petersen.

Pellwormer Töpferei

Töpferei Pellworm

Leuchtturm Pellworm

Wir machen noch einen Strandspaziergang am Leuchtturm und dann geht auf Pellworm auch schon wieder die Sonne unter. Abends essen wir die berühmten Rumpsteaks im Beer-Krog vom Ponyhof und schlafen von dem Reizklima der Insel wie der Sturmstein auf der Warft, der für heute lässig pendelnd eine ruhige Nacht voraus sagt.

Strandspaziergang am Leuchtturm

Nacht auf der Hoffmannswarft Pellworm

Winter auf Pellworm

Doch es friert über Nacht und bei strahlendem Sonnenschein, aber eisiger Kälte absolvieren wir unseren Spaziergang am Deich von der Nordermühle zur Hooger Fähre. Hier kann man mit der MS Gebrüder zu den Seehundbänken, zur Hallig Hooge, Hallig Oland, Hallig Langeneß, zum Norderoogsand oder für eine meeresbiologische Kutterfahrt mit Mitarbeitern der Schutzstation Wattenmeer übersetzen. Pellworm hat zu jeder Jahreszeit einiges zu bieten.

Nordermühle


Urlaub auf der Hoffmannswarft

Wir lösen die familiären Bande, nehmen ab Tammensiel die Fähre zurück zum Festland und landen nach einem kleinen Roadtrip für einen letzten Abstecher in Friedrichstadt. Der Ort wurde 1621 durch den gottorfschen Herzog Friedrich III. gegründet und ist heute ein hochrangiges Kulturdenkmal. Herzog Friedrich III. zielte auf die Errichtung einer Handelsmetropole und holte dazu niederländische Bürger, besonders die verfolgten Remonstranten, an den Ort und gewährte ihnen Religionsfreiheit. Die Architektur ist noch heute vom niederländischen Baustil geprägt.

Wir essen am gediegenen Mittagstisch im Aquarium von Friedstadt und lassen unseren Wochendendausflug langsam ausrollen.

Mittagsmenü im Aquarium Friedrichstadt

Marktplatz Frierichstadt

Wintercamping Ost – Insel Poel

Logo

Mit dem Camper unserer Schwalbe gehen wir auf Tour und starten unser erstes Wintercamping in der Wismaer Buch. Die Insel Poel liegt im Osten des Landes. Keine zwei Autostunden von Hamburg entfernt, finden wir hier unseren ersten Hafen für die Nacht, denn außerhalb der Saison haben die meisten Campingplätze noch geschlossen. Die Häfen sind dann oft ein guter Ausgangspunkt und bieten einen sicheren Platz. Hier hat meist noch eine kleine Gastronomie geöffnet, wenn man nicht gerade selber kocht und sanitäre Anlagen finden sich so auch vor Ort, wenn man die Toilette im Bus schonen möchte. Wir sind voll equipped und bleiben autark, aber einem Fischbrötchen am Abend oder Kaffee und Kuchen nach dem Spaziergang am Nachmittag sind auch wir immer aufgeschlossen. Wir nehmen euch mit auf eine kleine Inselrundfahrt.

Schwalbe on Tour

Sonnenuntergang am Hafen

Hier ist die Insel über einen Damm mit dem Festland verbunden, sodass man bequem mit dem Auto übersetzen kann. Als erstes erkunden wir die ehemalige Festung von Kirchdorf von 1620, die zwar nach dem Dreißigjährigen Krieg stark beschädigt wurde, deren Dorfkirche aber manifest wie ein Trutz seit dem 13. Jahrhundert auf dem Gelände steht und als Landmarke die Einfahrt nach Wismar sicherte.
Wir spazieren ein Stück weiter über den Friedhof vor dem liebevoll restaurierten Haus des Apothekers auf der Suche nach der NS-Gedenkstätte. Die Beschilderung ist etwas spärlich. Am 3. Mai 1945 lösten sowjetische Truppen die britischen Einheiten von Poel ab. Am gleichen Tag versenkten britische Jagdflieger die Cap Arcona und drei weitere Schiffe mit über 7000 KZ-Häftlingen.

Woher der Name Poel kommt ist umstritten, er leitet sich wahrscheinlich aus dem altnordischen Phol ab, welcher in der germanischen Mythologie den Gott des Lichtes darstellt, Poel könnte aber auch aus der slawischen Bezeichnung für „flaches Feld“ herrühren.


Kirche auf Poel Haus des Apothekers


Schwäne in der Wismaer Bucht

Wismaer Bucht

Zwischen Naturschutzgebiet, Feldern und Strand finden wir auf einem kleinen Fahrradrastplatz unseren zweiten Ort für die Übernachtung unter freiem Himmel und frühstücken bei einer grandiosen Aussicht über die Bucht von Wismar. Schwäne ziehen sich hier Abends zurück und wir genießen morgens unseren ersten selbstgemahlenen Kaffee. Der Bus ist zwar ausgerüstet mit einer Solarablage, aber diese alte Mühle gehört doch irgendwie zum Gefühl dazu. Außerdem weiß man im Winter nie, wie lange sich das Sonnenlicht hält. Wir werden sparsam.

Kaffee beim Wintercamping


Strandweg

Bucht von Wismar

Am Strand

Wilde Küste Poel

Küstenerosion auf Poel

Der boshafte Riese

Im nächsten Hafen steht die Geschichte vom boshaften Riesen, der vom Timmendorfer Strand Anlauf nahm, um den neuen Kirchturm der Insel mit einem Findling zu zerschmettern. Er mochte nichts, was größer war als er. Der Findling flog nicht weit, sondern liegt noch heute am Redewischer Ufer und wo der Riese wütend aufstampfte entstand die Timmendorfer Bucht. Bei diesem seeseits gelegenen Hafen kann man bei gutem Wetter bis nach Timmendorf gucken. Die Fischer angeln hier überwiegend Heringe.

Pilot

Hering

Timmendorf - Poel

Kormoran

Heringsfischer

Ein Stück weiter kann man entlang der Abbrüche der Steilküste spazieren, die noch nicht so erodiert ist wie um die Bucht bei Kirchdorf herum.

Steilküste Felsen der Steilküste
Strand Insel Poel

Winterliches Soulfood – die 3 besten Rezepte gegen den Winterblues

Tea Time gegen den Winterblues

Es ist schon wieder drei Jahre her, seit wir zur Weihnachtszeit in Toulouse die französischen Märkte nach Aligot und ähnlichen saisonalen Köstlichkeiten der Region abgeklappert hatten. Bald ist es wieder soweit. Denn das beste Heilmittel gegen den Winterblues besteht immer noch in voller Fahrt voraus. Mitten rein ins Getümmel der Krippenspiele und Weihnachtsmärkte stoßend, ziehen wir bald ein Stückchen gen Süden, um die letzen Geschenke für die bucklige Verwandtschaft im Ville en Rose an Land zu ziehen. Derweil machen wir uns um das leibliche Wohl unserer Leserschaft Gedanken und erwecken ein paar Rezepte aus der vergangenen Saison zu neuem Leben. Soulfood gegen den Winterblues.

Auch wenn die amerikanische Variante von Arme Ritter abseits seines Namens kaum mehr mit der Stadt am Ufer der Garonne zu tun hat, zählt French Toast in einem All American Breakfast zu den kleinen Köstlichkeiten, die einem schon morgens Freude bereiten. Das Rezept greift, denkbar einfach, auf altbackene Zutaten zurück, während ich den Speck inzwischen wegen seiner ebenmäßigen Knusprigkeit in der Mikrowelle ausbacke.

Last Flush, vor dem ersten Frost ernte ich hier noch fix das Kräuterbeet ab. Zur Tea Time hält man so neben dem beliebten Ostfriesentee eine Kräuterinfusion mit Ingwer bereit, mit der sich Nies- und Schnaubgeschichten solange in Schach halten lassen, bis die erste Hühnersuppe grippalen Infekten zu Leibe rücken muss.

Überhaupt halten Suppen und Eintöpfe in dieser Zeit wieder Hochkonjunktur. Soup of the Day ist diesmal die Kartoffelsuppe, die ich mit anderem Gemüse aus Wurzeln und Knollen mit schlagkräftigem Bums fabriziere.

Eintopf, diverse Zutaten und der gestiegene Appetit kurz vor dem Winterschlaf finden mit Süßkartoffeln am Ende bei Stew oder Gulasch in einem Kessel zueinander. Die Säure eingelegter Gurken fügt sich in diese internationale Mélange.
Wer uns auf unseren Reisen und Rezepten begleiten möchte, folgt einfach den Travelfoodies auf Instagram. Guten Appetit!

Gefüllte Rouladen – ein Klassiker revisited

Geüllte Rouladen

Was waren das noch für Zeiten als wir hier außerhalb der Kochgruppe einen halbvegetarischen Haushalt führten und ich in kargen Wintern beinahe wehmütig den guten Sonntagsbraten anderer Küchen nachschnüffelte. Egal, ist der Krieg schon vorbei? Das Sicherheitsballett bei der derzeitigen OSZE Konferenz in Hamburg mag anderes glauben lassen. Die alte Nachbarin meiner Schwester hat gleich brühwarm ihre Fluchttraumata aufgetischt. Schönen Gruß!

Während der Obergipfelpolizist Dudde und seine Gang also noch alles dran setzen, dass der kurz vor der Rente zum G20 endlich mit dem richtig schweren Gerät der Bundeswehr durch die Innenstadt eiern kann, simmert bei der Dame unten im Haus Gulasch und auch auf der mittleren Etage gibt es gutes Essen. Ich riech das doch! Rouladen, der Braten des kleinen Mannes, titelte ich damals. Inzwischen hat der ehemals halbvegetarische Mitesser wieder Blut geleckt und möchte auch prompt die ganze Palette durchprobieren. So sindse, die alten Männer.

Es gibt also wieder Rouladen. Und damit es hier nicht langweilig wird, füll ich die diesmal mit einem guten Stück Appenzeller, einer Scheibe Lardo und kleinen Salbeiblättern. Der Rest bleibt, wie gehabt. Da meine Wickeltechnik immer noch nicht wesentlich besser geworden ist, halten inzwischen solche Schellen die Scheiben vom Kalb zusammen. Die Enden verzwick ich dann bloß noch lose mit den Stochern.

Anbraten, gestückeltes Suppengemüse dazu, hier mit Weißwein angießen und nach einigen Stündchen im Schmortopf das Gemüse abfischen. Den Sud mit etwas in Butter verdrücktem Mehl zur Sauce abbinden. Als Beilage schmecken in Speckbutter geschwenkte Bohnen. Wer dann noch ins ausgewiesene Gefahrengebiet ziehen möchte, organisiere sich bitte unverzüglich den Passierschein 38a. Ist bloß ne Formalie.

Rouladen - ein Klassiker revisited

Verklärte Hafenromantik: Supermond in Hamburg

Hafenromantik Hamburg

Prost Mahlzeit! Der Hamburger Hafen bleibt ein Sorgenkind. Der in Zeiten der Industrialisierung ehemals boomende östliche Teil des Elbebeckens versandet, wenngleich sich die Hamburg Port Authority ihren industriellen Partnern vertraglich verpflichtet hat, Wasserwege fahrbar zu halten. Durch regelmäßiges Ausbaggern kommt verseuchter Boden zutage, in dem sich Schwermetalle und Dioxine der Hafenwirtschaft seit Jahren ablagern.


Die wurden wahlweise mal nach Wilhelmsburg, Billbrook oder Richtung Finkenwerder und Moorburg geschafft, solange sich Anwohner nicht entsprechend gegen behördliches Bullshit-Bingo zur Wehr setzen konnten. Aufbereiteter Giftschlamm ginge sonst auch noch als Mutterboden zurück an Hamburger Kleingärtner. Inzwischen schippert der Dreck direkt in die Nordsee.

Hamburg Steinwerder Hafen

Das Nachbarland Schleswig-Holstein hat sich zu einer Aufstockung der Kubikmeter bereit erklärt, die jedes Jahr kurz vor Helgoland „verbracht“ werden. Bis es soweit ist, lagern die giftigen Hügel mäßig gesichert irgendwo im südlichen Hafengebiet bei den Kreuzfahrtschiffen, die selbst aufgrund ihnen einhergehender Umweltbelastungen in der Kritik stehen.

Sonnenuntergang Hamburger Hafen

Dabei reicht auch dieses fragwürdige Gebaggere nicht mehr aus, um neuen Containerschiffen Platz zu schaffen. So ein Schiff hält ja nicht ewig, wissen auch die Veranstalter der alternative Hafenrundfahrten. Erschreckend kurz ist tatsächlich die Lebensdauer so eines Ozeanriesens und die richtig großen Pötte laufen die Stadt längst nicht mehr an. Wie die so malerisch von Schleppern umgeben durch Nacht und Nebel die Elbe hochziehen und mit bunten Containern beladen wieder auf große Fahrt gehen – mit solchen Bildern verklärter Hafenromantik sollte es bald vorbei sein.

Containerschiff Hafen Hamburg

Ob Abgase der Kreuzfahrtschiffe, geldverschlingende Elbphilharmonie, Eventisierung der Stadtkultur oder vergeigte Olympiabewerbung, Hamburg scheint als vermeintliches Tor zur Welt bisher erschreckend blindlings von einem Megaknaller zum nächsten zu stolpern, um anonyme Touristen in Massen anzuziehen, anstatt auf nachhaltige Stadtentwicklung von Unten zu setzen und für ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. Sowas braucht Zeit und eben keine normativen Automatismen. Die Rolle der Kunst? Bitte nur zur Dekoration!

Hafencity und Elbphilharmonie


Statt solidarisches Miteinander zu förden, spalten städtische Akteure beim Thema Wachstum als erstes solche Bewegungen, die sich längst selbst und kritisch mit dieser Entwicklung auseinander setzen, um Alternativen zur reinen Verwertungslogik zu entwickeln. Rassistische Kontrollen um die Hafenstraße, verzerrende Verhandlungen ums Gängeviertel oder Anspruchsgerangel auf dem Stockmeyergelände zeigen im Gegensatz zur fixen Bauentwicklung hochklassiger Appartements und Coworking Spaces für digitale Leistungsträger mit lean production einen Teil des Spannungsfeldes Kapitalismus.

Supermoon 2016 in Hamburg

Wenn beim G20 Gipfel im Juli 2017 die ganze Innenstadt zwischen Messehallen, Rathaus und der Elbphilharmonie von 10.000 Einsatzkräften zum schützenden Sperrgebiet der über 6.000 Teilnehmer der 19 reichsten und mächtigsten Staaten wird, zeichnet sich jenseits aller Beteiligungsverfahren ein ganz anderes Bild, wem die Stadt gehört. Anwohner sollen Besucher dann bitte persönlich am Absperrgitter der Gated Community abholen kommen.

Hamburger Hafen und Elbphilharmonie

Supermoon in Hamburg – Nebelig wie die Sonnenfinsternis?

Locaton Scouting Supermoon

Erinnert ihr euch noch an die Sonnenfinsternis 2015 und den Nebel des Grauens? Ich kann sagen, meine Fotos vom Hamburger Elbstrand gefallen mir immer noch. Montag gehts wieder los und diesmal verbieg ich mich sogar als Location Scout für den erwarteten Super Supermond. Wer mag, kann mir via Instagram entlang der Elbe folgen. Ein paar Tipps und Tricks gilt es einzusammeln, wie man in Hamburg die besten Fotos schießt und wieso weshalb warum man noch am Storytelling drehen kann, wenn das Wetter schlecht ist, die Woche mies war oder man auch sonst einfach leicht einen sitzen hat. Unerhört, ungezogen – Let`s Play!

Außerdem findet man eine kleine Zusammenstellung via Twittermoments, in denen Leads, Hunches und sonstigem Gedöns rund um das Supermond Spektakel in Hamburg nachgegangen wird.


Cervezeria, Bodega, Taberna oder Tapasbar – ein kulinarischer Streifzug durch Sevilla

Kulinarischer Stadtrundgang, Sevilla

Etwas zu Essen findet man in Sevilla an jeder Ecke. Cervezeria, Bodega, Taberna oder Tapasbar – überall bieten die Lokale stolz ihr Tapas, Raciones oder Platos als typisches Kneipenessen oder als Menü zu unschlagbar günstigen Preisen an. Einen schnellen Happen findet man hier für unterwegs ebenso, wie den ir de tapas, bei dem sich Portion um Portion in wechselnden Locations zum sozialen Event mit wachsender Teilnehmerzahl entwickelt. Bis sich die Gruppe schließlich in der letzten Bar noch eine ordentliche Platte zum Abschluss teilt. Am besten frittierten Fisch mit Essig, gegen den Kater.

Markthallen von Triana

Mercado d Triana

Das erste kühle Bierchen wird hier nämlich schon vormittags gezischt. Bei einem Bummel durch die Markthallen des Viertels lassen sich alle Zutaten für den weiteren Stadtrundgang in handhabbaren Portionen auf die Hand oder für Zuhause mitnehmen. Anschließend finden sich an jeder Ecke Einkäufer und Marktbeschicker zum Palaver zusammen, um die Angebote fangfrisch vor Ort zu zu verkosten. Aufgrund der vielen kleinen Teller, kann man mit Tapas die vielfältige Bandbreite spanischer Esskultur erleben.

Einkaufen Mercao Triana Caracoles, spanische Wegschnecken
Spanish Streetfood: Chorizo, Queso und Jamón auf die Hand Essen auf dem Markt

Getrockneter Fischrogen als Ceviche mit Paprika, Langostinos und Stabmuscheln – mitunter erfordert es ein wenig Mut, sich den vielen neuen Geschmackseindrücken zu stellen. Gerade auf den Märkten fällt mir das deshalb leichter, weil man in den Auslagen schonmal sehen kann, was kommt. So muss sich niemand auf geschriebene Anschläge oder multilinguale Erklärungen mit Halbwissen verlassen, sondern zeigt einfach und direkt, was man haben möchte. Genau das bekommt man dann auch. Kein dekoratives Beiwerk, kein Schnickschnack. Unglaublich lecker!

Huevos - Getrockneter Fischrogen Frischer Fisch vom Markt
Stabmuscheln essen

Markteinkauf Triana

Markthalle von Triana

Picknick im Grünen

Picknick in den Gärten von Alcázar

In den Gärten des mittelalterlichen Königpalastes von Alcázar lässt es sich nicht nur ganz wunderbar abseits belebter Gassen flanieren. Im Laubengarten, dem Jardín del Cenador, speisten schon Könige wie Karl V. in einem der Pavillions mit Blick ins Grüne. Trotz der flughafenähnlichen Eingangskontrollen bekommen wir unser Besteck sowie alle Zutaten im Rucksack mit rein. Breitet man sich im Garten nicht zu offensichtlich aus, findet man also die perfekte Kulisse für ein lauschiges Geburtstagspicknick mitten in der Stadt.

Estanque de Mercurio Laubengarten in Alcazar - Jardín del Cenador
Picknickplatz im Grünen Geburtstagskuchen to Go

Tapasbar La Entrañable Triana

Tapas im La Entrañable

Nach der Siesta ist Tapastime. So ungezwungen das Spektakel zunächst aussieht, verlangen die zahlreichen Variationen doch einige soziale Konventionen. So kann es schonmal passieren, dass man als Einzelner gar nichts zu Essen serviert bekommt, weil sich viele einig sind, dass man nicht alleine isst. Jedenfalls nicht am Tisch. Direkt an der Bar wird das nicht so eng gesehen. Man bestellt ein Getränk – para tomar algo, kommt mit anderen ins Gespräch und erst wenn sich so casual ein paar Bekanntschaften zusammenfinden, beginnt das eigentliche Ritual. Dabei folgt man am besten den jeweiligen Empfehlungen, snackt sich durch – para picar algo – und zieht dann auch bald weiter. Ansonsten kann es schonmal passieren, dass nach einer längeren Sitzung plötzlich die Kaffeemaschine kaputt ist, weil schon längst neue, hungrige Gäste – para tapear – warten. Fix die Rechnung ordern und dann geht es eben woanders weiter.

Tapas, Ceveza und Sardinas Typisch Sevilla: Caracoles, Schnecken und geschmorte Schweiebacke
Essen unter Nachbarn

Essen unter Nachbarn: Taberna Sol y Sombra

Während in den öffentlichen Bars nach allen Seiten hin viel Getue um die Tapas herrscht, geht es in den nachbarschaftlich orientierten Tabernas abends eher beschaulich zu. Hier treffen sich vor allem Familien beim Wirt um die Ecke, dessen Küche deshalb nicht weniger Spannendes zu bieten hat. Man beginnt mit etwas kühlem zum Sangria, Ibericoschinken oder Käse. Dann steigert man sich langsam zu warmen Happen, mit eher traditioneller Ausrichtung. So essen wir nach Jahren mal wieder Froschschenkel, folgen aber auch der Empfehlung zur geschmorten Schweinebacke gerne. Besonders lecker auch Tortilla de Camarones – Kartoffelpuffer mit Krabben, bzw. Krill.

Taberna Sol y Sombra Tortilla de Camarones
Gebratene Froschschenkel Taberna und Cruzcampo
Bar La Moderna, Santa Cruz Sevilla

Bar La Moderna in Santa Cruz

Ist man endlich eingegroovt in das Tapasgeschäft, hat man demnach mehrere Etablissements abgeklappert, einige schräge Blicke riskiert, aber eben auch viel getrunken, unglaublich leckere Kombinationen durch den Gaumen rutschen lassen und bestenfalls ein paar neue Freunde gefunden. Am Ende des Abends landet so eine Gruppe dann in einem Restaurant, wie der Bar La Moderna. Para comer, um endlich eine richtige Mahlzeit zu essen. Dazu wird man mit mehreren Leuten dann etwas separiert gesetzt, schließlich kann es lauter werden. Vor allem wenn die letzten Raciones auf den Tisch kommen. Man einigt sich auf größere Platten, die untereinander aufgeteilt und gegenseitig serviert werden. In der Regel übernehmen das hier ganz klar die Männer. In dieser Gesellschaft werden sie dann plötzlich selbst zum Wirt und können nachvollziehen, warum die abwechslungsreiche Tradition eben auch von solchen unausgesprochenen Regeln lebt. In Sevilla hat Tapaskultur eine besonders orientalische Atmosphäre.

Frittierter Fisch mit Essig

Sevillas Geschichte zwischen Triana und Santa Cruz – historischer Stadtrundgang

Altstadt von Sevilla - historischer Stadtrundgang

Die Altstadt von Sevilla in Andalusien ist eine der größten. Nur Venedig und Genua liegen im europäischen Vergleich noch eine nasenlänge vorn. Die historische Geschichte dieser Stadt, die bereits vor der Ankunft der Römer als wichtiges Handelszentrum und Brücke zum Orient galt, lässt sich anhand eines historischen Stadtbummels abspazieren. Von Game of Thrones über Carmen bis Star Wars – Sevilla bietet auch für unser Weekend Getaway die perfekte Kulisse.

Torre del Oro

Viele Brunnen der Stadt, welche vermutlich von Phöniziern gegründet wurde, werden über die Überreste römischer Aquädukte gespeist. Canos de Carmona, werden sie genannt. Am Ufer des Flusses Guadalquivir, der hier die Altstadt von der ehemaligen Vorstadt Triana trennt, leuchtet der Torre del Oro als eines der Wahrzeichen über das Wasser. Er ist dem Leuchtturm von Alexandria nachempfunden und stammt in seinen Grundmauern noch aus der Zeit der Mauren. Westgoten hatten während der Spätantike geherrscht und die Stadt zum Sitz des Erzbischofs Isidor von Sevilla erhoben. Bedeutend für die Konstruktion von Wirklichkeiten wurde Isidors universell anwendbares Verfahrens der Welterklärung mittels Wahrheitsfindung durch Sprache, das er Etymologie nannte.
Islamisierte Berber eroberten die Stadt 712 im Kampf bis Normannen die Stadt 844 zerstörten. Den Mauren galt dieser Turm am Fluss als militärisches Sperrwerk, um feindliche Schiffe abzuhalten. Das Kalifat von Córdoba, die Taifendynastie der Abbadiden, berberische Almoraviden und Almohaden verfügten während dieser islamischen Zeit über die iberische Halbinsel.

Giralda in Sevilla

Giralda

Isidor von Sevillas „etymologisch“ gewonnene Wesenserkenntnis eines Begriffes gilt als tiefgründiger, im Vergleich zu philosophisch oder naturwissenschaftlich gewonnenen Erkenntnissen. Seine Berichte begründeten den Mythos von der Überlegenheit der Goten und legitimierten später die Reconquista. In diesem Rahmen eroberte Ferdinand III. von Kastilien im November 1248 den Ort zurück, der seitdem im Besitz der christlichen Spanier blieb.
Die Giralda, das bedeutendste Wahrzeichen der Stadt, ist das ehemalige Minarett der Hauptmoschee von Sevilla, die von der christlichen Reconquista geblieben ist. Während die zur Kirche umfunktionierte Moschee im 15. Jahrhundert niedergerissen und als spätgotische Kathedrale neu erbaut wurde. Die Giralda erinnert an den Turm der in Marrakesch erbauten Koutoubia-Moschee und galt zu der Zeit als höchstes Gebäude der Welt, welches nur von den ägyptischen Pyramiden in Gizeh übertroffen wurde.

Minarett der ehemaligen Moschee von Sevilla

Kathedrale von Sevilla Santa María de la Sede Palast Al-Muwarrak, Alcázar
Garten des Alcázar von Sevilla

Alcázar von Sevilla

Der mittelalterliche Königspalast von Sevilla, Reales Alcázares de Sevilla gegenüber der Kathedrale, war zunächst als maurisches Fort angelegt. Die Almohaden errichteten mit dem Al-Muwarrak einen ersten Palast, der von späteren Monarchien mehrfach erweitert wurde. Heute zählt der Alcázar mit seinen unter christlicher Herrschaft entstanden Bauten als am besten erhaltenes Beispiel für die Mudéjar – Architektur mit islamischem Einfluss – und als ältester Königspalast Europas. Ab 1364 wurde der größte Teil der modernen Anlagen auf den maurischen Ruinen für Peter I. gebaut.

König Peters Palast vom Patio de la Monteria

Fassade des Palasts von Don Pedro I, Alcazar Patio de Las Muñecas - Hof der Puppen
Salon de los Infantes - Gemächer der Königskinder

Islamische Rundbögen Salón de los Embajadores - Botschaftersaal
Patio de las Donceilas - Hof der Mädchen

Die Bäder von Doña María de Padilla

Estanque de Mercurio

Am 6. Februar 1481 fand das wahrscheinlich erste Autodafé in Sevilla statt. Das Castillo de San Jorge wurde, unter der Herrschaft katholischer Könige, zum Sitz der Spanischen Inquisition und blieb es bis 1626. Am Fuße der Puente de Triana, unterhalb der 1927 eingeweihten Capilla del Carmen, liegt das Gebäude heute im Keller der Markthallen von Triana. Einer ehemaligen Vorstadt von Sevilla am anderen Ufer des Flusses.

Capilla del Carmen

Plaza de España

Plaza de España

Amerigo Vespucci und Ferdinand Magellan begannen hier ihre Entdeckungsreisen und so erlangte Sevilla seine Blütezeit nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus 1492. Im 16. und 17. Jahrhundert erhielt die Stadt als Hauptumschlagplatz des spanischen Seehandels und Zentrum der spanischen Kunst internationale wirtschaftliche Bedeutung. Seitdem die Spanier im Krieg mit den USA 1905 ihre letzten Besitzungen in Amerika aufgeben mussten, sollte die Iberoamerikanische Ausstellung 1929 zumindest die kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zu den südamerikanischen Ländern festigen. Die Militärregierung in Madrid hegte Träume von einem hispano-amerikanischen Block, der in der Welt als Machtfaktor beachtet würde. Vor diesem Hintergrund entstand mit dem Plaza de España einer der bekanntesten Plätze in Sevilla, der im Kinofilm Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger als Schauplatz des Planeten Naboo gezeigt wurde.

Plaza de España, Südturm Detailansicht Plaza de España
Treppenhaus Plaza de España Plaza de España, Hauptportal
Kachelornamente der spanischen Provinzen

Rundbögen und Ornamente Deckenansicht Plaza de España
Plaza de España, Detailansicht Südansicht Plaza de España
1929 Iberoamerikanische Ausstellung

This Week: Sevilla im spanischen Andalusien

Sevilla – the Weekend Getaway. Wer meinem kulinarischen Stadtrundgang in Andalusien via Instagram gefolgt ist, hat sich vielleicht schon Appetit geholt. Diese Woche serviere ich die Zusammenfassung im Blog.




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