
Hat man die Touristenschlangen am Eingang zum Vatikanmuseum überstanden, windet man sich mit tausenden Besuchern durch die sehenswürdigen Kostbarkeiten und ist gut an einem erfahrenen Führer beraten, der einen zu ausgewählten Besonderheiten bringt, ohne dass man nach wenigen Minuten einem rauschhaften Overkill der Eindrücke erliegt. Der Vatikan und seine Museen sind vollgestopft mit Gemälden, Resten der griechischen Antike, römischen Skulpturen bis hin zu moderner Kunst. Gleich am Anfang laufen wir an der marmornen Replik der Lakoon-Gruppe vorbei, die immerhin im 1. Jahrhundert vor oder nach Christus entstanden ist. Das nochmal 200 Jahre ältere Original aus Bronze ist nicht mehr erhalten.



In der Pinakothek hängt u.a. Guido Renis „Der Hl. Matthäus Evangelist und der Engel“ (1630-1640). Die ineinander verschachtelten Bronzewelten von Arnaldo Pomodoro im Innenhof symbolisieren die Erde innen und das Christentum bzw. Religion außen. Auf unserem Weg folgen wir dem Korridor der geographischen Karten, sehen Raffaels „Philosophenschule von Athen“ (1500 n Chr.) in der Stanza della Segnatura und enden schließlich mit Michelanglos Arbeiten und dessen wohl berühmtester Darstellung des jüngsten Gerichts (1536–41, nach der Restaurierung 1980-95) in der Sixtinischen Kapelle. Hut ab, wer bis hier hin volle Aufnahmefähigkeit bewahrt.




Während anderer Kirchenbesuche in Rom ist man beinahe für sich mit den großen Meistern. In Santa Maria della Pace malte Raffael 1514 zuerst die Sibyllen Cumaea, Persica, Phrygia und Tiburtina, nachdem er sich zu den Vorarbeiten seines großen Konkurrenten Michelangelos in die Sixtinische Kapelle geschlichen hatte.



Berninis Elefant parkt mit seinem Obelisken vor der Basilika Santa Maria sopra Minerva, der einzigen gotischen Kirche Roms, während neben dem Altar im Inneren eine Christusskulptur Michelangelos herum steht und auf das Grab der heiligen Katharina von Siena blickt.

Am Piazza del Popolo soll nicht bloß der Geist Neros spuken. In der Santa Maria del Popolo hängt der allgegenwärtige Carravaggio mit seinen Gemälden von der „Kreuzigung des Heiligen Petrus“ und der „Bekehrung des Paulus“ von 1600. Um Michelangelo Merisi da Caravaggio, dessen realistische Bildgestaltung völlig neuartig für einen Maler des Frühbarocks war, entspann sich aufgrund seiner unkonventionellen Lebensweise ein regelrechter Mythos. Streitigkeiten von Beleidigungen bis hin zu körperlichen Auseinandersetzungen und Waffenbesitz waren in Kreisen des Adels und der aufstiegsorientierten Mittelschicht zwar nicht unüblich, in seinen sexuellen und künstlerischen Freiheiten repräsentiert er jedoch das gegen alle gesellschaftlichen Konventionen verstoßende Malergenie.
In Kardinal Francesco Maria Bourbon Del Monte fand er einen einflussreichen Unterstützer, in dessen Palast er lebte und für verschiedene Auftraggeber arbeitete. Zunehmend wandte er sich sakralen Themen zu und war dabei für mehrere Mitglieder der Apostolischen Kammer tätig. Nach einer tödlichen Auseinandersetzung mit Ranuccio Tomassoni, Sohn des Kommandanten der als Staatsgefängnis dienenden Engelsburg, floh er schließlich 1606 aus Rom.
In der französischen Nationalkirche San Luigi dei Francesi hängt mit drei Bildern von 1599 bis 1602 Caravaggios erster Großauftrag. Er hatte sich von Raffaels Schönheitsideal abgewandt und verband statt dessen die Heiligen mit dem Profanen, um eine unidealisierte Wirklichkeit darzustellen. Polarisierende Lichteffekte seiner Hell-Dunkel-Malerei bestimmen die Struktur seiner Bilder und geben ihnen eine beeindruckende Tiefe. Hier die Berufung des Heiligen Matthäus, das Evangeliumdiktat des Engels, sowie dessen Martyrium.



Durch die kulissenartigen Vorbauten des Campo Marzio erreichen wir eine ganz andere Kunst der Perspektive in den Deckenbildern des Jesuitenmalers Andrea Pozzo. Seine Illusionen zieren seit 1690 die Titeldiakonie Sant’Ignazio di Loyola. Der Kreuzkuppelbau ist eine der größten Kirchen Roms. Illusionsmalereien in Apsis, Mittelschiff und einer vorgetäuschte Kuppel suggerieren dem Berachter, dass der Blick ins Unendliche gehe, obwohl er eigentlich auf eine platte Decke sieht. Damit hat Pazzo also das gesamte Gebäude noch einmal aufgestockt.







Nimmt man den Eingang zum großen Basar, dann taucht man ein in die große Kaufmannswelt des Landes, die hier streng aufgeteilt nach Gold- und Lederwaren, Teppichen und allerlei Klimbim bis hin zu ganzen Straßenzügen voll Nähzubehör, Knöpfen und hastenichtgesehen den Hügel hinab Richtung Goldenes Horn läuft. Hier werden jährlich fast 100 Tonnen Gold, 5 Milliarden Dollar umgesetzt und, wie es heißt, der Kurs der Türkischen Lira bestimmt.



Vor dem Eingang zum Ägyptischen Basar stehen alle Schlange bei Kurukahveci Mehmet Efendi, um den angeblich besten Kaffee der Welt frisch geröstet für Zuhause einzupacken. Drinnen gibt es Feinkost aller Art und drum herum bei geschickter Verhandlung günstige Gewürze, Süßwaren, Frisches, Pflanzen und sogar Blutegel.


Unten reihen sich die Schuhputzer entlang der Taubenmoschee und wenn man gut aufpasst, vestehen die ihr Handwerk. Erst wird das alte Schuhleder abgefackelt, dann ausgebessert, aufgeputzt und poliert. Sieht man nicht so genau hin, ruppen die aber auch schonmal die gute Ledersohle raus und wollen einem den neusten Schrei an orthopädischen Einlagen aufs Auge drücken. Mit meinen ollen Touristentretern wussten wir schließlich beide nichts rechtes anzufangen, doch den ganzen Zirkus ist es unbeding wert.
Am europäischen Bahnhof lässt sich Reisefieber schnuppern, während man ein wenig wehmütig den ein- und ausfahrenden Zügen zusieht oder durch die Warteräume im Stil des europäischen Orientalismus wandelt. Dies war die Endstation für den Orientexpress und ein kleines Restaurant während der 50er und 60er Jahre Treffpunkt für Autoren und Journalisten auf der Suche nach reisenden Informationen.




Erwartet man, dass streunende Katzen von ausgemagerter Statur durch die Straßen gejagt werden, so erzählen die relaxten Miezen an den Haltestellen, Bahnhöfen und Fährstationen eine ganz andere Geschichte. Jede hat sich längst ihren Platz auf der Sonnenseite gesichert und lässt geradezu gnädig die paar Gäste zu, die hier ja sowieso nur auf der Durchreise sind.





















































